Spielemontag: Das Schwarze Auge RPG

Hallo zur dritten Ausgabe des Spielemontags.

Heute stelle ich euch das erfolgreichste deutschsprachige Pen & Paper Rollenspiel vor: Das Schwarze Auge.

Für alle die nicht wissen was ein Pen & Paper Rollenspiel ist: ein Spieler übernimmt die Aufgabe des Spielleiters, die anderen Spieler erstellen jeder einen Charakter nach vorgegebenen Regeln. Das erste kommerziell erfolgreiche Rollenspiel entstand in den 70ern des vorigen Jahrhunderts in Amerika: Dungeons & Dragons. Es gab sieben, sehr eingeschränkte, Charakterklassen: Krieger, Kleriker, Dieb und Magier, alles Menschen, und dann noch den Zwerg, den Elf und den Halbling, die damals noch keinen Beruf hatten. Jeder Charakter hatte spezielle Fähigkeiten, die nur er ausführen konnte. Aus heutiger Sicht langweilig, aber damals eine Revolution des Spielemarktes.

Aber zurück zur Erklärung. Der Spielleiter denkt sich ein Abenteuer aus, also sowas wie den Drachenschatz finden oder ds Spukschloss erforschen. Er erstellt Pläne der Räumlichkeiten und der Umgebung in der sich die Charaktere bewegen werden, füllt sie mit Monstern und Schätzen und beschreibt das Ganze für die Spieler. Das ist nähmlich der Clou. Es gibt weder ein Spielbrett noch Figuren, obwohl beides zur Unterstützung verwendet werden kann. Der Spielleiter muss das Umfel so anschaulich erklären, dass sich die Spieler etwas vorstellen können, und dann auch entsprechend handeln. Denn auch sie müssen alles erklären. Du kannst den überraschend auftauchenden Ork nämlich nicht mit einem Schwert bekämpfen das noch in seiner Scheide steckt! Denn wenn du nicht sagst, dass dein Charakter seine Waffe zieht, hat er es auch nicht getan. Über den Erfolg einer Aktion, sei es ein Angriff, der Versuch ein Schloss zu knacken oder auch einen Zauberspruch zu wirken wird duch die Würfel entschieden. Und da taucht leider ein ewig andauernder Schmerz der Spieleszene auf: im Englischen werden die Spielwürfel als Dice bezeichnet, in Deutsch haben wir aber kein anderes Wort als Würfel. Die Unbedarften unter den Lesern werden jetzt denken: „na und?“. Naja, ein Würfel hat bekanntlich sechs gleich große Seiten, unsere aber 4, 6, 8, 10, 12, 20, 30 und sogar 100 (ja, das ist eine Kugel die man nur mehr schwer ablesen kann) Seiten. Ihr seht das Dilemma?

Aber das soll uns nicht weiter daran hindern trotzdem Spass an den Spielen zu haben.

DSC_1054.jpg

Bei Das Schwarze Auge, ab jetzt DSA genannt, brauchen wir 6- und 20-Seiter. Ein Charakter wird nach einem Punktesystem erstellt. Man investiert Punkte in seine Eigenschaften, wie Stärke, Intelligenz, Geschicklichkeit, Mut und ähnliche, sucht sich eine Rasse aus, üblicherweise Mensch, Zwerg oder Elf, obwohl bei progressiven Spielleitern auch andere Rassen wie Orks oder Echsenmenschen zulässig sind, danach wählt man eine Kultur. Als Beispiel bauen wir einen Menschen. Wir wählen als Kultur das Mittelreich, das entspricht in etwa unserer Erde im 12-14. Jahrhundert, je nach Region. Dann entscheiden wir uns für die Laufbahn des Kriegers. Das ist ein typischer Einsteigercharakter, wenig Sonderregeln, viel Freiheit. Die Rasse und die Kultur geben uns fixe Startwerte in verschiedenen Talenten wie Schwertkampf, Klettern, Reiten, Tanzen, Kochen usw. Die Wahl der Kriegerakademie weitet die Talentbandbreite aus. Im Anschluss werden noch Punkte für Sonderfertigkeiten und spezielle Fähigkeiten ausgegeben. Wenn das alles fertig ist kleiden wir unseren Helden noch ein, kaufen ihm ein paar zusätzliche nützliche Dinge für Unterwegs und schon kann es los gehen.

DSC_1061

Diesen Prozess muss jeder Spieler unter Aufsicht des Spielleiters durchlaufen. Das nimmt auch einige Zeit in Anspruch. Aber ein Rollenspiel ist kein Würfelpoker, das man bei Besuch schnell aus dem Regal nimmt und loslegt. Ein Rollenspiel erstreckt sich über einen längeren Zeitraum, wobei immer zu vorher vereinbarten Terminen gespielt wird. Ich kenne Spielrunden die seit 30 Jahren bestehen und immer noch regelmässig zusammen kommen um zu spielen. Die Spielform ist genau dafür ausgelegt. Es gibt kein Gegeneinander. Die Spielergruppe hat nur Erfolg, wenn sich ihre Charaktere gegenseitig unterstützen. Ja, der Dieb kann das Schloß an der Fluchttür knacken, aber wenn ihm der Rest der Gruppe nicht den Rücken frei hält wird das nix. Die Konzentration leidet nun mal wenn es Schwerthiebe hagelt.

Der Spielleiter ist nicht der Gegner der Spieler. Er ist viel mehr ein Erzähler. Natürlich würfelt er im Kampf für die Monster, aber einer muss es halt tun. Ich bin jetzt seit über 30 Jahren Spielleiter und habe dann gewonnen, wenn meine Spieler enttäuscht darüber sind, das wir abbrechen und beim nächsten mal fortsetzen. Als Spielleiter bin ich meist auch der Gastgeber und kann daher alle Register ziehen. Musikuntermahlung, Kerzenbeleuchtung, sogar mit der Raumtemperatur kann man sich spielen. Man muss halt etwas kreativ sein, dann gelingt der Spieleabend. Und ja, der Spielleiter ist das arme Schwein an dem die ganze Arbeit hängen bleibt. Aber ich bin es mit Überzeugung. Ich habe sicher nicht mehr als 20 Spielabende in den 30+ Jahren als Spieler verbracht.

DSC_1067

Zurück zu DSA. Es gibt natürlich eine Hauseigene Spielwelt, Dere genannt. Die Abenteuer spielen sich üblicherweise in oder um den kleinen Kontinent Aventurien ab. Aventurien umfasst aber trotz seiner geringen Größe alle wichtigen Klimazonen vom ewigen Eis über sanfte, grüne Ebenen, eine Wüste, bis im Süden alles von dampfenden Dschungeln bedeckt ist. Es gibt zahlreiche Völker und Kulturen mit denen man interagieren kann, es gibt Monster aller Größen und Arten gegen die man kämpfen kann und Schätze, SCHÄTZE…..

Alle auf den Fotos abgebildeten Bücher sind aus der 4. Edition, das ist die mit der wir spielen. Aktuell befindet sich das Spiel in der 5. Edition, aber alles was ich hier schreibe gilt für beide Editionen. Ich kann also ohne weiteres ein Abenteuer aus der fünften Edition mit den Regeln der 4. spielen und umgekehrt. Auch Hintergrund und Regionsbände sind kompatiebel. Einzig die Zeit läuft in Aventurien weiter. Wenn also ein Ereigniss in der 4. Edition ein paar Abenteurbände gefüllt hat ist das ganze in der 5. schon Geschichte und man kann die Auswirkungen miterleben. Auch das ist ein fantastischer Aspekt von DSA. Die Charaktere nehmen tatsächlich am Leben und an den Ereignissen in Aventurien teil und können diese zum Teil auch beeinflussen.

Über die Jahre wurden die Regionen immer besser beschrieben, dem Spielleiter immer mehr Werkzeuge und Informationen in die Hand gelegt, was auch die Wandlung der Spieler und Spielleiter wiederspiegelt. Haben wir uns als Schüler noch eigene Höhlensysteme ausgedacht, Haarstreubende Geschichten über verschollene Schätze erfunden usw zwingt uns die Realität des Arbeits- und Familienlebens heute dazu auf vorbereitete Materialien zurück zu greifen. Und davon gibt es zum Glück reichlich.

DSC_1070

Wer jetzt sagt das er das ja ohnehin am PC online Rollenspiele spielt, hat noch nie an einer Pen & Paperrunde teilgenommen. Glaubt mir, da liegen Welten dazwischen!!! Ich spiele auch am PC, aber wenn ich die Möglichkeit zum „Echten“ bekomme lass ich jedes PC-Spiel stehen. Dazu gleich noch ein Punkt welcher sich über die Jahre immer wieder bewahrheitet hat: es gibt bei einem Rollenspielabend keine Zuschauer. Wer sich dafür interessiert und am Tisch sitzt braucht einen Charakter. Ich habe für solche Zwecke immer einige fertige Charaktäre zur Hand. Wenn der Zuschauer im Laufe des Abends feststellt, das es doch nicht sein Hobby ist: kein Problem, nix passiert. Wenn ihn oder sie das Fieber aber packt und er in einer kniffligen Situation die Lösung hat und sie in die Runde brüllt (ja, alles schon erlebt!) dann soll er auch vor Ort durch einen Charakter represäntiert sein.

Hier haben wir wirklich ein Spielsystem das über Jahre hinweg Freundschaften aufrechterhalten kann, trotz gewaltiger Unterschiede der Lebenswege. Mit Rollenspielen zu beginnen war eine der besten Entscheidungen meiner Spielerlaufbahn. Mein Dank gilt im Nachhinein meinem ehemaligen Schulkollegen Helmut Schädel, der mich mit seinen Erzählungen in diese wunderbaren Welten geführt hat.

Bis zum nächsten mal

Dark Priest