über das Erwachsenwerden von Männern

Hallo da draussen.

Heute möchte ich einmal ein Thema aufgreifen bei dem ich eher den Frauen meine Meinung sagen möchte. Den Anstoss dazu gab meine Frau mit ihrem Kommentar unter meinem letzten Artikel. Solltet ihr euch persönlich angegriffen fühlen, müsst ihr euch also bei ihr beschweren.

Kommen wir zum Thema. Es geht um „erwachsene Männer“ und wie sie dazu werden sollen. Grundsätzlich: wir Männer werden nicht wirklich erwachsen, nur Reifer. Gewisse Dinge legt ein Mann nie ab. Dazu gehört Begeisterung für scheinbar kindliche Dinge. Gib einem Mann den Regler einer Carreraautobahn in die Hand und er wird seine Runden drehen. Aber auch so alltägliche Dinge wie sterbenskrank mit einem Schnupfen zu sein.

Wenn ihr Frauen also meint, das euer Mann doch endlich Erwachsen werden soll, wie muss ich mir so einen erwachsenen Mann dann Vorstellen:

Ich nehme an, er steht früh Morgens auf, erledigt alles was er in der Früh normalerweise so erledigt, verlässt das Haus und begibt sich zur Arbeit. Seine Arbeit ist entweder ein Bürojob, bei dem ihm spätestens um 10 Uhr Vormittags vor Langeweile die Bauchmuskeln einschlafen oder aber er muss sich den ganzen Tag Körperlich als Arbeiter betätigen und findet spätestens zu Mittag das es seiner Meinung nach für Heute eigentlich schon Genug wäre. Aber egal welche spannende Tätigkeit er zu verrichten hat, er macht es den ganzen Tag. Danach begibt er sich auf den Heimweg. Das kann mit Öffis passieren, was dann, je nach Gemüt, entweder, wie bei mir, zu etwas Entspannung führt, oder wie bei vielen anderen nur zu weiterer Aufregung. Über die Mitfahrgäste. Über das Gedränge. Über den Gestank. Darüber, keinen Sitzplatz bekommen zu haben. Für die drei Stationen. Und generell über alles Andere auch. Alternativ kann Mann natürlich auch mit dem Auto fahren. Das mag in ländlichen Gegenden schon etwas Entspannendes haben, wenn du aber um 17 Uhr in Wien über die Tangente musst und der Meinung bist, das du zu Fuß schneller wärst, wärend du bei angenehmen 38° im Auto darauf wartest, die nächsten drei Meter voran zu kommen, trägt das doch eher zum Unmut bei.

Sollte der tapfere Streiter für Erwachsenschaft dann endlich auf die eine oder andere Art daheim ankommen, erwartet er natütlich das der anstrengende Teil des Tages vorüber ist. Aber weit gefehlt. Er ist ja schliesslich auch Mitglied in dieser hier wohnhaften Familie und versucht natürlich sich hier einzubringen. Oder sollte es zumindest. Jetzt geht es noch um den Müll, das Geschirr, eventuell die Wäsche, möglicherweise gibt es ein oder mehrere Haustiere die versorgt werden wollen, Kinder sind auch noch da, die wollen dem Papa von ihrem Tag erzählen….Irgendwann ist das aber endlich alles erledigt, die Kinder sind im Bett….

Und jetzt? Wie schaut bei einem erwachsenen Mann denn so ein Feierabend aus? Setzt er sich mit einem 16er Blech vor den Fernseher und sieht ZiB1, wie es sich gehört? Oder erträgt es zumindest bis endlich der Sport kommt. Oder verlässt er gar das Haus, um sich beim Stammwirt mit den anderen erwachsenen Männern zu treffen? Über was reden sie? Über so wichtige Dinge, wie, die Erfolgschancen des 1. FC Gigeritspatschen den Abstieg in die vierte Unterliga zu verhindern? Oder, über drohnde Flüchtlingswellen? Von denen haben sie nähmlich schon gehört! Nicht, das sie einen Flüchling schon einmal aus der Nähe gesehen hätten. Aber gehört haben sie davon! Oder gar so verwerfliche Dinge wie, das die Zuckerschnitte der Schulzeit jetzt einen fetten Hintern wie ein Elefant hat?

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht! Ich habe Glück. Meine Frau erlaubt mir nähmlich in meiner Freizeit Kind zu sein. Ja, Ich stehe auch Früh Morgens auf und gehe in die Arbeit. Da fangen die Unterschiede aber schon an. Ich mag meinen Job. Ich gehe gern hin. Das soll jetzt nicht bedeuten das ich der einzige Mensch bin der seinen Job mag. Aber die Mehrheit tendiert dann doch eher zu „Oarsch“ als „Leiwand“. Ich komme nach getaner Arbeit heim. Meistens mit dem Rad. Außer bei Glatteisgefahr. Deppert bin ich nicht. Dann versuche ich auch zumindest einige der Dinge von weiter oben zu erledigen. Ich bin eben Teil der Familie und lebe hier. Und wenn alles erledigt ist? Die Kinder im Bett sind? Dann geh ich in den Keller. Dreh mir ordentliche Musik am PC auf. Motörhead, Black Sabbath, Metallica, Ten Years After, oder nach was mir halt gerade so ist. Bei wenig Motivation starte ich ein Computerspiel, entweder rundenbasierte Strategie, wie Civilization, oder Action Rollenspiel ala Diablo (He! Ich bin fast Fünfzig, ich darf so alte Klassiker gut finden). Wenn die Motivation höher ist nehm ich den 10/0er Pinsel zur Hand und erweitere eine meiner Tabletoparmeen. Soll bedeuten, ich bemale Spielfiguren. Oder ich versuche mein Modellbahnprojekt weiter zu bringen. Es kommt sogar vor das ich Besuch von einem Freund bekomme. Um zu spielen. Wir schieben dann 3cm große Kunststoff- oder Zinnfiguren und dazu passende Panzer über einen Spieltisch. Wie richtige Kinder. Nur mit mehr Regeln als in der Sandkiste vor 40 Jahren. Aber sonst is es eigentlich dasselbe.

Ich weiß nicht wie euere Männer sind. Und noch viel weniger weiß ich wie ihr eure Männer gerne hättet. Wenn ein Mann seine Freizeit mit einem Hobby verbringt, kostet das Zeit und Geld. Aber es wird zu seiner Entspannung beitragen. Wenn ihr Glück habt, könnte euch das Hobby auch Spaß machen. Dann habt ihr mehr Möglichkeiten eure Freizeit gemeinsam zu verbringen. Aber wirklich nur dann. Eine Frau die halt mitmacht weil die Gesellschaft das von ihr erwartet, ist auf Dauer eine Belastung und vermiest das Hobby (… wobei ich auch Fälle kenne wo er so desinteressiert an seiner Partnerin ist, dass es ihm ohnehin gar nicht auffällt, dass sie sich fadisiert!). Sucht euch in diesem Fall am besten ein eigenes Hobby. Denn, natürlich gilt das alles auch für Frauen. Ihr habt ebenso das Recht für euren Ausgleich – Zeit und Möglichkeiten einzufordern. Es ist nähmlich so, Ihr und eure Partner, egal jetzt, ob Männchen oder Weibchen, seid in erster Linie Menschen. Menschen haben Bedürfnisse. Diese Bedürfnisse will man sich erfüllen. Man kann seine(n) PartnerIn nicht für die ganzen unangenehmen Arbeiten benutzen und ihn oder sie danach in die Ecke stellen. Nur um ihn/sie wieder hervor zu holen wenn der Kühlschrank leer, das Altpapier oder der Wäschekorb voll ist, oder ein Regal montiert gehört. Und man sollte sich so auch nicht benutzen lassen!

Was soll es also sein? Überlegt euch einmal was ihr euch unter einem erwachsenen Mann wirklich vorstellt. Und dann fragt euch, ob ihr tatsächlich mit so einem erwachsenen Mann euer Leben verbringen wollt. Oder aber, ihr seht das ganze nicht so eng, befreit euch von Zwängen und Vorstellungen anderer Menschen. Oder besser, Vorstellungen von denen ihr annehmt, das andere Menschen sie hätten. Nehmt einen Mann wie er ist und freut euch darüber dass ihr einen Menschen an eurer Seite habt, dessen Augen beim Anblick einer Modelleisenbahn oder was auch immer feucht werden.

Bis zum nächsten mal

Dark Priest