Servus meine Lieben!

Gleich vorweg – das ist ein Artikel an dem Peter und ich erstmals gemeinsam schrieben.

Wie im letzten Wochenrückblick versprochen gehen wir heute auf eine Fragestellung näher ein, die durch eine Einlandung in eine Talkshow aufgeworfen wurde, nämlich

Soll/Muss man vor einer Ehe/Beziehung klare Verhältnisse schaffen? Um zum Beispiel abzuklären, ob man dieselben Ideale, Vorlieben, Lebenseinstellungen (zB Freilernen) vertritt?

Jain.

Natürlich soll man klare Verhältnisse schaffen bevor man eine Ehe/Beziehung eingeht. Über all die Themen die man für sich selbst zu diesem Zeitpunkt bereits geklärt hat.

Aber wenn ich zurück denke wie das bei uns war, dann fällt der doch so wichtige und dezitiert erfragte Punkt „Freilernen“ da gar nicht darunter.

Warum?

Als wir uns zum ersten Mal trafen war Peter 34 und ich 18. Da war von Freilernen noch nicht die Rede. 😅

In den Wochen und Monaten in denen wir uns näher kennen und später Lieben lernten, haben wir sicher mehr als 400 Kilometer bei gemeinsamen Wanderungen bzw. Spaziergängen hinter uns gebracht und in all der Zeit alles mögliche schonungslos offen bequatscht um uns wirklich kennenzulernen.. Wir wussten beide nicht was wir wirklich wollten, das weiß niemand. Mit der Erfahrung finden wir alle nur heraus was wir nicht mehr haben wollen. Peter zum Beispiel wollte keine „Ja-Sagerin“, keine Frau die sich einfach dem fügt was er vorgibt, sondern sich auch ihren eigenen Interessen widmen kann.

Ich wollte keinen Blender mehr. Jemandem der Dinge erzählt weil sie sich gut machen/anhören, die man aber in Wahrheit gar nicht vertritt. Ein Ex von mir behauptete zum Beispiel – weil er wusste, dass mir der Punkt sehr wichtig ist – er würde total gerne lesen.. und hat es trotzdem geschafft in einem vollen Jahr kein einziges Buch in die Hand zu nehmen. Geschweige denn (aus-) zu lesen. 😅 Und nicht weil er keine Zeit gehabt hätte..

Peter und ich sprachen offen über Erfahrungen, Kindheit, Finanzen, Prioritäten, Familienpläne, Vorlieben,… halt über die Standpunkte die wir zu dem Zeitpunkt vertraten (unabhängig davon dass sich einiges davon im Laufe der Jahre verändert und mit uns mitentwickelt hat) aber auch zu der Zeit war von Freilernen noch nicht die Rede.

Das war einfach kein Thema. Ich kam mit Freilernen erst 2013 zum ersten mal in Kontakt. Und hab es da natürlich mit nach Hause gebracht. Mich mal damit beschäftigt… aber vorerst mal nur ich für mich. Gelesen und youtube-Videos geschaut..

Wichtig wurde das Thema aber erst im Laufe des Jahres 2015. Da hab geprüft welche Möglichkeiten es hierzulande gibt, wie man das am besten anstellt, welche Pflichten, Rechte und Fristen dafür wichtig sind, wie man die Abmeldung einleitet, was man dafür braucht, wo man es her bekommt und wohin man damit muss. Am Höhepunkt meiner Recherchen brachte dann der Österreichische Rundfunk im Rahmen von „Am Schauplatz“ eine Folge mit dem Titel „Nie mehr Schule“ – welche meine bisherigen Erkenntnisse abrundete.

Ab diesem Zeitpunkt war für mich klar dass ich unseren Kinder diese Möglichkeit einräumen will.

Meine Frau hat mir gerade die Frage gestellt, ob wir uns auf Freilernen eigentlich je geeinigt haben.

Meine Antwort darauf: wir haben uns in den über acht Jahren die wir gemeinsam verbringen eigentlich nie geeinigt.

Weil es nie notwendig war. Wir klären höchstens ab ob auch alle möglichen Umstände bedacht wurden und das war es dann auch schon. Und das machen wir bei allen Entscheidungen so. Bei uns gibt es keine Kompromisse. Wenn etwas gemacht wird stehen wir beide hinter der Entscheidung. Oder es betrifft ohnehin nur eine Hälfte unserer Partnerschaft. Dann besteht kein Grund darüber zu diskutieren. Sollte tatsächlich keine Einigung erzielt werden, wird es auch nicht umgesetzt, da sich einer von uns beiden mit dieser Entscheidung nicht wohlfühlt, und deshalb grundsätzlich eine andere Möglichkeit gefunden werden muss. Theoretisch zumindest. Weil mir da auf Anhieb jetzt auch nichts einfallen würde wo das der Fall gewesen wäre. Aber Kompromisse sind immer nur eine halbe Sache und die können langfristig nicht funktionieren. Ich bin mehr als die Hälfte des Tages entweder in der Arbeit oder mit schlafen beschäftigt. Meine Frau trägt daheim also viel mehr der täglichen Arbeits- und Entscheidungslast. Mit welchem Argument sollte ich da wiedersprechen wenn sie es ist, der auch die Umsetzung meist über bleibt? Sei es jetzt die Auflösung unseres Wohnzimmers letzte Woche oder der Umbau und das neufolieren der Küche im Frühjahr oder aber auch Freilernen. Auf die Frage, ob man das Thema Freilernen vor der Beziehung/Ehe abklären soll oder nicht habe ich eine kurze, einfache Antwort: nein. Dieses Thema hat bei mir genau zwei Fragen an meine Frau ausgelöst: kannst du die nötige Zeit erbringen und können wir uns die finanziellen Einbußen durch Ausbleiben eines monatlichen Einkommens leisten? Nach Beantwortung dieser Fragen war das Thema vom Tisch.

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Auch auf die Gefahr hin, unhöflich oder abwertend zu sein, stelle ich einfach in den Raum, das dieses Thema nur Menschen Beziehungsprobleme bereiten würde, deren Beziehung ohnehin auf wackligen Beinen steht. Weil es eben nur zwei Fragen zu klären gibt: hab ich die Zeit dafür? und kann ich es mir leisten? Wer beides mit Ja beantworten kann und sich nach einem genaueren Blick auf unser Schulsystem, die Frage, ob er sein Kind durch dieses Schulsystem schicken soll oder nicht, oder eine Privatschule finanziell stemmen kann, gar nicht erst stellt, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einfach bloß dumm.

Das lassen wir jetzt mal so da stehen…

immortal & Dark Priest