Hallo meine Lieben.

Ich rede gar nicht erst um den heißen Brei herum sondern werf mich gleich rein…

Der Österreichische Bildungsminister macht ja keinen Hehl aus seinen Plänen, unser Bildungssystem noch stärker darauf auszurichten, die Spreu vom Weizen zu trennen, als wir das ohnehin schon tun. ( https://orf.at/stories/3104471/ )

Bisher wurde durch die Noten in der 4. Klasse Volksschule entschieden welche Laufbahn das Kind einschlagen werden wird können. Man steht am Scheideweg zwischen Mittelschule (früher Hauptschule) und Gymnasium. Viele Gymnasien gaben Schülern mit einer 3 im Zeugnis noch die Möglichkeit eine Aufnahmsprüfung zu absolvieren, das wird aller voraussicht nach in Zukunft nicht mehr passieren können. Experten weisen bereits seit Jahren – durch funiderte Erkenntnisse gestützt – darauf hin, dass diese Aufsplittung mit 9-11 Jahren bei uns viel zu früh passiert. Dass wir uns dadurch das wir es trotzdem tun selbst beschneiden und Potentiale, die sich auch erst später entwickeln können, einfach achtlos verwerfen.

In Zukunft sollen durch dann neu eingeführte Testungen/Überprüfungen bereits in der 3. Klasse Volksschule, die Entscheidung über die späteren Möglichkeiten des Kindes mitbeeinflusst (bzw. beschnitten) werden können. Unser Bildungminister meint in dem oben verlinkten Artikel sinngemäß, das würde auch den Eltern und Lehrern ein realistisches Bild über die Potentiale des jeweiligen Kindes zeichen.. (Ich muss an dieser Stelle sagen, dass mir allein schon bei dem Satz das Kotzen kommt).

Im Klartext heißt das: Der Stress für Eltern und Kinder beginnt dann zu einem noch absurderen Zeitpunkt. Nämlich bei den etwa 8 Jährigen! Kindheit und Kind sein können wird so sicherlich in einigen Familien einfach abgeschafft werden, weil der Druck auf Eltern und Schüler weiter steigen werden wird. Und zwar enorm.

Und – ob Sie es zugeben oder nicht, ob es Ihnen bewusst sein wird oder nicht – genug Lehrkräfte werden durch die Ergebnisse gleich auch die Rechtfertigung haben, warum Sie sich nun mehr um die vielversprechendsten SchülerInnen kümmern werden. Die übrigen haben sie ja ohnehin schon auf halbem Weg verloren. Sich bei Ihnen zu engagieren wäre ja vergebene Liebesmüh und wird dann wahrscheinlich schon bald einen karitativen Charakter bekommen (wobei es den ja auch heute schon teilweise hat).

Dieses Ganze System mit Testungen, Überprüfungen und Noten dient nur einem einzigen Zweck. Nämlich dem das Scheitern zu Dokumentieren! Denn nur durch das Scheitern können sich andere abheben, nur durch das Scheitern ist es Möglich diese Trennung bzw. Aufsplittung zu forcieren. Welche letztlich nur der Elitenbildung dient. Und ich muss nun mal sagen dass die Dokumentation vom Scheitern nicht die Aufgabe eines Bildungssystems sein kann, darf und soll.

Die Aufgabe eines Bildungssystems muss es sein das Gelingen zu organisieren.

Und ich meine damit nicht, dass ein Bildungsystem dazu da ist, aus jedem Kind einen zukünftigen Arzt, eine Bankerin oder einen Rechtsanwalt zu machen, sondern Menschen beizubringen wie sie das Beste aus sich selbst herausholen können. Und das Beste heißt nicht zwangsläufig für jeden den größten Profit zu machen, sondern heißt für mich zum Beispiel ein gesundes und glückliches Leben zu führen, Peters Interesse gilt eine Work-Life-Balance zu leben die ihm gut tut.. weshalb er auch vor gut einem Jahr einen Job kündigte bei dem er zwar deutlich mehr verdiente aber keine Zeit mehr zum Leben hatte.

Wisst ihr was ich persönlich, und wahrscheinlich auch die Ärztin, der Banker oder die Rechtsanwältin dafür nicht brauchen? …die Information darüber von wann bis wann Wolfgang Amadeus Mozart lebte, und wann er welches Stück komponierte. Ich muss nur wissen, wie ich mir die Information beschaffe, falls ich sie jemals brauche. Menschen die sich hingegen dafür Interessieren, was er wann gemacht hat und wie es ihm dabei ergangen ist, werden selbst nach diesen Informationen suchen und sie aufsaugen wie ein Schwamm.

Und das gilt für fast alle Themen mit denen wir unsere standardisierten Lehrpläne zupflastern.

Das soll aber jetzt nicht heißen dass Schulen dieses Wissen in Zukunft nicht mehr vermitteln sollten – ganz im Gegenteil – aber vielleicht wäre hier ein optionales modulares Informationsangebot vorteilhafter. Vielleicht wäre es besser wenn sich Menschen nach ihren Interessen entfalten können und nicht in der 6. Oberstufe wegen Biologie und Geschichte aus der Bahn geworfen werden. Vielleicht könnte es dann auch ein System sein welches nicht nur Kindern vorbehalten, sondern für alle Altersstufen offen ist.

Für mich persönlich sind die Grundkompetenzen die jeder Mensch mitbekommen sollte auf folgende 4 begrenzt:

Lesen/Schreiben und Rechnen

… erklären sich denke ich von selbst.

Recherche und Meinungsbildung

… nämlich wie bilde ich mich selbst? und wie bilde ich mir meine eigene Meinung?

In diese Sparte fällt für mich die Klärung der Fragen „Wie recherchiert man?“, „Wo kann ich mich bilden?“, „Wie lerne ich am besten?“, „Wie kann ich die Seriösität von Quellen überprüfen?“ uvm aber auch das führen von Debatten und lernen Sachverhalte kritisch zu Hinterfragen gehört hier dazu.

und Persönlichkeitsbildung

… in diesen Bereich gehört für mich Empathieförderung, Achtsamkeit und Kreativität bzw. die Förderung von persönlichen Interessen (und zwar unabhängig von der Eignung – Warum und was ich damit meine erkläre ich etwas weiter unten).

Grundkompetenzen

Diese 4 Kompetenzen sind für mich die Wesentlichen. Hat man sie – kann man in unserer Gesellschaft bestehen und sicherlich auch in jeder zukünftigen wohin sie sich auch entwickeln wird. Zu seinen eigenen Bedingungen. Und ein Bildungssystem dass es nicht zustande bringt nach 9 und mehr Jahren, Schüler hervorzubringen die alle 4 Kompetenzen besitzen .. ist das Geld nicht wert das da rein investiert wird und hat auf so vielfache Weise versagt.

Aber was soll man auch anderes von einem System erwarten, dass darauf ausgerichtet ist das Scheitern zu Dokumentieren.. als dass es bloß sein eigenes Scheitern dokumentiert.

Und jetzt kommt etwas, dass man von einem blog der sich schulfern nennt vielleicht nicht erwarten würde:

Ich denke an eine (1) Schule für alle. Offen für alle Altersklassen mit einer Bildungspflicht für bis zu 18 Jährige. Einen Hort des Wissens ohne Noten, ohne Druck, ohne Einmischung durch die Wirtschaft oder Politik, mit LernbegleiterInnen die dazu einladen neues kennenzulernen, und einem den Horizont wieder erweitern wenn man das gefühl hat an einer Mauer anzustehen, die Möglichkeit Kontakte zu knüpfen, gemeinsame Projekte zu entwickeln und zu verwirklichen, sich ganz allgemein weiterzuentwickeln und über sich hinauswachsen.

Und jetzt keine Ausflüchte a la „was für eine Utopie“ denn diese Idee stammt nicht von mir, und solche Schulen gibt es bereits!

Warum schrieb ich oben dass die persönlichen Interessen unabhängig von der Eignung gefördert werden sollten? Ganz einfach. Ich selbst bin Legasthenikerin und kämpfte schon immer mit Dyskalkulie.

Und trotzdem schreibe ich heute sehr gerne,..

und trotzdem liebe ich es unheimlich mich mit Zahlen zu spielen. Stelle mich selbst vor immer komplexere Herausforderungen.

Während meiner Schulzeit als ich dazu gezwungen war, war das nie so – aber heute, seit ich einen anderen Zugang zur Bildung habe und frei.lernen darf und kann, ermöglicht mir meine Begeisterung fürs Schreiben und Rechnen, meine Hürden in diesen Bereichen zu überwinden. Und genau deshalb bin ich davon überzeugt, dass entsprechende Eignungstests keinen Einfluss darauf haben dürfen, ob für diesen Menschen in diesem Bereich Geld in die Hand genommen werden darf oder nicht. Wie das zum Beispiel auch der neue AMS-Algorithmus (AMS=Arbeitsamt) in Zukunft machen wird. ( https://derstandard.at/2000089720308/Leseanleitung-zum-AMS-Algorithmus ) Auch der ist übrigens ein Armutszeugnis aber dazu vielleicht ein anderes mal mehr.

Soviel zu meiner Meinung

*** Und jetzt zu euch ***

Wie bewertet ihr unser Bildungssystem? Welche Note würdet ihr vergeben? Und warum?

Gibt es etwas dass euch daran missfällt/gefällt?

Bewegen wir uns mit diesem Bildungsminister in die richtige Richtung?

Und welche ist für euch die Richtige?

Was würdet ihr euch von unserem Bildungssystem wünschen?

Wie sieht die perfekte Schule aus?

Alles Liebe

Victoria