zweites „Schulkind“ – oder: Zurück zum Start

Kurz vorweg wegen der Nachfragen

Nachdem ich mit einem positiven Schwangerschaftstest für Wunschkind 6 ins heurige Jahr gerutscht bin, kam Mitte Februar dann der Klatscher auf den Popsch.. als es uns leider verließ.

Soviel zu mir.

Constantin

Im Januar diesen Jahres ging es auch für Constantin zum verpflichtenden Schuleinschreibungstermin in eine örtliche öffentliche Volksschule. Diesmal – aufgrund unserer Erfahrungen bei seinem älteren Bruder ( wir erinnern uns ) – haben wir uns allerdings für eine andere entschieden.

Schuleinschreibungen sind von Schule zu Schule unterschiedlich. Waren bei Benjamin vor zwei Jahren einige andere Kinder auch anwesend, wurde Constantin heuer alleine beurteilt. Da er bereits lesen und rechnen kann, und auch keine Scheu hat das zu zeigen, war von vorn herein klar wie er eingestuft werden würde.

Die Schulärztliche Untersuchung einige Wochen später änderte erwartungsgemäß auch nichts.

Wir haben jetzt von der Anmeldungsschule die Platzzusage erhalten. Leider war auch heuer keine Schulreifebestätigung bei den Unterlagen dabei und ich muss diese wieder extra Anfordern. Das werd ich demnächst machen. Dann geht es wieder zum Stadtschulrat für Wien zum Zwecke der Abmeldung vom Schulbesuch.

Benjamin

Benjamin geht nun fast ein Jahr in die Schule. Seine Begeisterung hält sich in Grenzen, wobei es jetzt auch wetterbedingt wieder viel besser geworden ist, als es noch vor zwei Monaten war. Im Winter hab ich öfter mal hier oder da einen Tag oder zwei daheim lassen wenn ich gemerkt gab dass der Druck der auf ihm lastet zu groß war. Insgesamt (und inkl. Krankheiten) kommt er auf 23 Fehltage bis jetzt.

Benjamin hält „in die Schule gehen“ für seine Pflicht. Welche aber mit seiner Anwesenheit. Auch wenn man es ihm in der Schule weiß machen will gehören für ihn (und mich) Hausübungen da nicht dazu. Hausübungen erledigt er nach eigenem Ermessen. Was bedeutet er schreibt meistens die in Mathe, manchmal die in Deutsch aber in Deutsch nur jene, die mit kreativem Schreiben zu tun haben. Seitenlanges wiederholen von Einzel- oder Doppelbuchstaben oder einzelnen Wörtern lehnt er prinzipiell ab.

Weil das aber von ihm verlangt wird und der Druck der auf ihm lastet nun schon ziemlich groß geworden ist, bin ich Anfang dieser Woche vor die Klassenlehrerin, die Vertrauenslehrerin und die Direktorin vorgrladen worden, weil Benjamin einerseits die Hausübungen nicht bringt und anderseits auch den Unterricht (also den Deutschunterricht) verweigert. Er setzt sich zum Beispiel unter den Tisch und blockt komplett ab wenn man ihn anspricht.

Darauf angesprochen sagte ich dass der Druck der auf ihm lastet einfach zu groß ist und man darüber nachdenken müsse wie man ihn von ihm nehmen kann. Mein Vorschlag war es die Hausübungen einzuschränken oder am besten gleich ganz zu streichen. Während die Vertrauenslehrerin und die Direktorin sich das – in Anbetracht der Auswirkungen die bei ihm sichtbar sind – gut vorstellen konnten. War seine Lehrerin fest davon überzeugt, dass dies keine Option sein kann. Davon würde er nichts haben, im Gegenteil es würde ihn nur zurück fallen lassen und sie kann das nicht guten Gewissens für ihn einrichten. Weil er das üben wund wiederholen dringend benötigen würde. Dass er ohne Hausübungen den Anschluss verlieren würde.

Mir wurde außerdem empfohlen ihn für die Hausaufgaben auszulagern, so dass er 4 mal die Woche eine Stunde bei irgendwem anderen sein sollte als bei mir, damit er seine Hausübungen machen kann. Natürlich ganz ohne Wertung. Und nur in meinem Interesse *haha*.. um mir den Stress zu nehmen.

Zum Abschluss haben wir einen erneuten Termin ausgemacht fürs Ende derselben Woche – an dem Benjamin dann auch teilnehmen sollte.

Ich ging also am Montag heim und sah mir die Fakten an.

Ich weiß,…

  • dass Benjamin mehr kann als er in der Schule zeigt.
  • dass der Druck auf ihn irrsinnig groß ist und er wirklich gestresst ist.
  • dass Benjamin es als demütigend empfindet in der Schule ohne Hausübung da zu stehen.
  • dass mir spielen am Nachmittag für Benjamin um einiges wichtiger ist als die Schule auf den Nachmittag auszuweiten, weil ich weiß dass er das Spielen zum Stressabbau braucht.
  • dass Schule für ihn Stress bedeutet – aber nicht prinzipiell .. sondern nur dort wo dieser Druck herrscht (nämlich vor allem in Deutsch).
  • dass es nicht tragbar ist ihn bei Hausaufgaben 2 oder gar 3 Stunden begleiten zu müssen, bis er es abschließt, weil ihm jede Ablenkung willkommen ist.
  • dass die Lehrerin einer Streichung oder auch nur einer Reduktion der Hausübungen nicht zustimmen wird.

So weit, so … *hmpf*

Was also tun mit einer Lehrerin die auf ihre Hausübungen versessen ist?

…und zwar auch alle die jemals ausgelassen wurden🙈 Er hatte also zeitweise bis zu 30 Aufgaben (doppelseitig A4 bedruckt) offen (es bekommt täglich 2 solcher Seiten).

In der Vergangenheit haben wir, wenn zu viel zusammengekommen ist, Constantin und Lilith um Unterstützung gebeten.

Lilith übernahm die Ausmalaufgaben. Und Constantin und Benjamin arbeiteten mit meiner Unterstützung an den übrigen Hausübungen.

Aber eines ist für mich klar: das sollte kein Dauerzustand sein, denn Constantin ist mit dem Stoff unterfordert. Außerdem denke ich mir, wenn ich Constantin daheim derartig verschule ich ihn ja gleich in die Schule stecken könnte. Und das wollen wir nicht.

Jedenfalls hatte ich eine mögliche Lösung für uns gefunden und diese Woche auch auch entsprechend gehandelt.

Reflektion am Freitag

Heute war nun das oben erwähnte zweite Gespräch- bei dem wir Großen erst 20 Minuten ohne Benjamin sprachen und ihn dann später nach seinem Schulschluss hinzu holten.

Jedenfalls nahmen wir (noch ohne Benjamin) wieder alle im Büro der Direktorin Platz und sowie sie saß – platzte es freudestrahlend aus seiner Lehrerin heraus. „Haben Sie was zu Hause verändert? [Ich nicke stumm] Muss so sein. Benjamin ist wie ausgewechselt, offen, entspannt, aufnahmebereit.. “ Sie schlussfolgerte jedenfalls voller Genugtuung, dass die Erledigung der Hausaufgaben ihn nun auf den richtigen Weg bringen würde. Einzig bei der Leseaufgabe kam sie mir entgegen. Ich bat nämlich darum, dass wir in unseren eigenen Büchern weiter lesen dürfen und nicht die Schulbücher nutzen müssen. Darauf ließ sie sich zum Glück heute ein.

Das übrige Gespräch ist jedenfalls wegen meiner bewussten freundlichen Zurückhaltung zwar einseitig, aber sehr entspannt, denn ich nicke und grinse vor mich hin.

Mein Weg .. war simpel.

  • Sie will die Hausübungen
  • er soll sie nicht machen, weil es ihm ganz offensichtlich schadet (weiteter Stress und fehlende Zeit für den ohnehin notwendigen Stressabbau)..
  • Also mach ich sie.

Ich schreibe mit meiner linken Hand ungefähr genau so grobschlächtig wie mein linkshändiger Sohn 😂🤣 und mich kostet es fünf Minuten die Hausübungen zu erledigen.

Jedenfalls ist er am Nachmittag entspannt, kann seiner Lehrerin am nächsten Tag aber trotzdem eine gemachte Hausaufgabe vorlegen und das wirkt sich auch in der Schule aus. Also. Nicht die gemachte Hausübung, sondern vielmehr das Ausbleiben der allmorgendlichen Demütigung, weil ihm die Hausübungen fehlen. Er versteckt sich in der Schule nicht mehr unter dem Tisch und macht mit, außerdem redet auch morgens nicht davon gar nicht erst hin zu wollen.

Ich habe Recht!

Was Benjamin angeht. Das musste jetzt mal raus. Sorry. Auch wenn’s unsympathisch rüber kommen sollte..

Gleich nochmal: Ich habe Recht!

Druck weg! Bedeutet eben auch Luft zum Atmen zu haben. Und mein Ansatz funktioniert für ihn.

Wie kams?

Vor etwa einem Jahr erwähnte eine gute Freundin von mir beiläufig, dass sie gerade abgelenkt wäre, weil sie noch schnell die Hausübungen für ihren Sohn erledigen würde.

Ich war ganz offengestanden mehr als nur perplex das zu hören. 😵 Ich diskutierte das thematisch sogar in einem Forum und war fest davon überzeugt dass dieses Vorgehen einfach nur falsch ist.

Ich versteh euch also vollkommen, wenn es euch jetzt ebenso geht.

Ich kenne jedenfalls inzwischen ein Dutzend Mütter die es ebenso halten wie ich und die Hausaufgaben für ihre Kinder schreiben um ihre Kinder zu entlasten. Traurig dass dies überhaupt notwendig ist.

Erst kürzlich gelesen: Umfrage: Eltern beklagen zu viel Schulstress ihrer Kinder (Die Welt)

Und im gleichen Atemzug

Nein.. Eltern die die auf die Bedürfnisse ihrer Kinder achten und schauen, dass ihre Kinder ohne gröberen Schaden durch die Schule kommen, sind nicht das Problem in unserem Schulsystem.

Alles Liebe und schönes Wochenende 🤗

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