#aus dem Blauen gefragt: Soziale Kompetenz

Auch heute wurde ich #aus dem Blauen gefragt:

Es gibt so viele Freunde, die man in der Schule findet. Klar auch in Sportvereinen und Co aber das ist doch nicht dasselbe. Es gibt so viele Erfahrungen die man nur in der Schule sammelt. Natürlich positiv als auch negativ. Aber das gehört zum Leben dazu. 
 Ich bin auch der festen Überzeugung, dass Kinder die Erfahrungen, die sie in der Schule machen (auch die Negativen) einfach für Ihre Entwicklung brauchen.
Es fängt beim Umgang mit Gleichaltrigen an. Klar kann man auch in anderen Situationen mit Kindern in Kontakt kommen und auch Freunde finden… Es wird aber niemals das Gleiche sein. Deine Kinder werden immer eine „Sonderstellung“ bei den anderen Kindern haben. Während deine Kinder zu Hause sind, können alle anderen die Zeit in der Schule nutzen um zu streiten, zu lästern und zu spielen. Glaubst du nicht dass deinen Kindern die Zeit in diesen speziellen Gruppen fehlen wird? Immerhin brauchen sie die Schule ja für die Entwicklung einer ordentlichen sozialen Kompetenz.

So – oder so ähnlich – laufen sehr viele Fragen immer wieder auf das Thema der Sozialisation hinaus. Sehr oft merken Leser*Innen an, dass Kindern im häuslichen Unterricht (egal ob jetzt als Freilerner*In oder tatsächlich unterrichtet – und auch jede Facette dazwischen) doch einen erheblichen Nachteil haben, weil sie mehr Zeit als andere Kinder mit ihren Familien statt mit Gleichaltrigen verbringen. Grund dafür ist ein scheinbar unumstößliches gesellschaftliches Dogma, dass Kinder möglichst viel Zeit und Umgang in Gruppen Gleichaltriger verbringen müssen, um überhaupt soziale Fähigkeiten erlernen zu können.

Von verschiedensten Seiten wird jedoch zeitgleich ein zunehmender Werteverfall und eine fehlende Primärsozialisation beklagt. Sehr häufig ist inzwischen von psychischer und physischer Gewalt gegen Schüler*Innen und/oder Lehrer*Innen an Schulen zu lesen. Jüngst von einem Selbstmord auf der Schultoilette. Mobbing und Aggressivität der Schüler*Innen untereinander nehmen kontinuierlich zu. Und laut der letzten OECD Studie (2015 http://derstandard.at/2000013298817/OECD-Oesterreich-mit-hoechster-Mobbingrate-in-Schulen) hat Österreich die höchste Mobbingrate in Schulen überhaupt! Und während die Raten in anderen Ländern wie Estland, Italien und Deutschland sinken, steigen unsere weiter. Jedes 5. Kind ist inzwischen davon betroffen. Tatsächlich sind es genau 21,3 Prozent! Und da ist noch kein Cybermobbing via sozialer Medien eingerechnet, oder die Veröffentlichung von unliebsamen Bildern oder Videos, und es kursieren nicht erst seit gestern mitgefilmte Videos die das Phänomen happy slapping und co dokumentieren.
Folgt man der Logik, dass nur Schulen eine optimale Sozialisierung gewährleisten, so müssten die Schulen aber doch eigentlich voll von rücksichtsvollen, höflichen und gut sozialisierten Menschen sein. Leider spiegelt dieser Glaube aber nicht die Realität. Und in dem Fall ist der gesellschaftliche Tenor dann einstimmig und besagt, dass diesem Problem leider das Elternhaus zugrundeliegt – wenn dort der schon Wurm drin ist, dann könne man nur schwer was richten.
Unter Mobbing in der Schule versteht man lt. der Studie – zitiert aus dem oben genannten Link -, systematische und wiederholte Aggression unter Schülern, seien es verbale durch Beleidigungen, soziale durch Streuen von Gerüchten oder andere Formen öffentlicher Beschämung und Schikanen sowie physische in Form von körperlichen Attacken. Die OECD-Autoren sehen darin ein „ernstes, gesamtgesellschaftliches Problem, das Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter haben kann.“

Und jetzt frage ich mich: Wollen wir das wirklich?

Nein. Ich will das nicht!

Ich finde definitiv, dass Mobbing nicht dazugehört!  Und jeder Mensch der behauptet, dass es dienlich wäre um die Kinder auf das spätere Leben vorzubereiten, legitimiert es auch noch! Und – ja – da stimme auch ich mit dem gesellschaftlichen Tenor überein, denn das ist immer noch das gravierendste Problem in der Mobbingprävention: Der Glaube, dass Mobbing dazugehört – verhindert gleichzeitig, dass man es nachhaltig ausräumt. Heizt es mitunter sogar an!

Außerdem sitzen Freilerner*Innen nicht jeden Tag, stundenlang zu Hause und lassen sich von Ihren Eltern frontal berieseln. Sie verabreden und organisieren sich untereinander und bekommen so die Gelegenheit sich zusammen in verschiedenen Altersgruppen zu bewegen. Diese Gruppen sind uneinheitlich was das Alter betrifft, was einen großen Vorteil gegenüber den vielerorts üblichen Jahrgangs-Schulklassen bildet, in denen alle Kinder ungefähr gleich alt sind. Freilerner*Innen nehmen zudem zum Beispiel auch an Vereinsangeboten teil, wie viele normale Schüler*Innen auch. In unserem Fall der Turnverein, ab Herbst eine Kinder- und Jugendorganisation, wahrscheinlich der Fußballverein, – bei Interesse – die Musikschule und so weiter… Möglichkeiten gibts genug.

wp-1466807153715.jpg

Abgesehen davon, leben wir in einem Reihenhaus einer Wohnhausanlage mit über 200 Kindern aller Altersgruppen, mit denen meine Kinder fortwährend in den Gemeinschaftsanlagen (darunter mehrere Spielplätze, ein Ballspielplatz, ein Gemeinschaftsraum und ein Freibad mit zwei Schwimmbecken) interagieren.

Ich kann mir deshalb beim besten Willen nicht vorstellen, dass es meinen Kindern in Zukunft an anderen fremden Kindern mangeln wird. Und die übrigen Kinder hier, gehen auch in zig verschiedene Kindergärten und Schulen im Umkreis. Es ist also nicht so, dass sich der gemeinsame Schulbesuch als maßgeblicher verbindender Faktor fürs Freundschaft schließen hervortäte.

Ich freue mich auf morgen – es werden 34 Grad erwartet – und wir werden schwimmen gehen 😀

Schönes Wochenende und
Alles Liebe

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s