#aus dem Blauen gefragt: Lernen was und wann man will – was darf man dann noch erwarten?

Ich möchte hiermit die Kategorie „#aus dem Blauen gefragt“ ins Leben rufen. Ich  werde Fragen die via Facebook oder Foren gestellt werden im Blog nochmal aufgreifen, um sie auf der Website (und damit share-able) für ein breiteres Publikum zu beantworten.

Ich zitiere heute einen Beitrag, aus einem Forum, der an mich gerichtet war [ich bessere Fehler nicht aus – bitte aber darum diese dem/r Fragesteller*In nachzusehen, weil die meisten Beiträge via Smartphone online gestellt werden, und ich selbst auch schon übereilt so manch abstrusen Text veröffentlich habe]:

Natürlich erkennst Du die Verantwortung an, aber Du verlangst auch Deinen Kindern ganz schön was ab. Das Kind entscheidet also von Anfang an seinen/ihren Lebensweg. Es muss mit 6 schon wissen, wo es später mal landen soll (weil es muss selbst entscheiden, was es wann lernt). Und wenn es sich dazu entscheidet, nichts machen zu wollen, dann war es nicht Deine Verantwortung, sondern die Deines Kindes. 

Wenn sich mein Kind beispielsweise mit 12 für Physik interessiert, dürfte ich es Deinen Ansatz nach auch nicht fördern indem ich ihr Bücher zu dem Thema kaufe…oder wäre das dann aktives hindern daran? Ist nicht fördern vielleicht nicht dasselbe als hindern? Kann ich zu jeder Zeit auf den Eigenantrieb zählen, vor allen dann in der Pubertät, wo auch viele die Schule schmeißen? 

Darf man von Kindern nichts mehr erwarten? Und was darf ich dann von Erwachsenen erwarten?

Das sollte jetzt nicht angriffig gemeint gewesen sein…für mich wirft das nur so viele Fragen auf, spannend!

Mal ganz abgesehen davon dass ich es bemerkenswert finde, dass es bei all diesen Überlegungen die zu solchen Fragen führen, eigentlich immer darauf hinausläuft, dass das Kind am Ende möglichst gut bzw. reibungslos in die Gesellschaft passen soll (es muss bestehen können, seinen Zweck erfüllen, Erwartungen der Eltern [über]treffen,.. – Reicht es nicht sich zu wünschen dass das eigene Kind glücklich wird! Egal was es macht?).. Möchte ich folgendes festhalten: Hier liegt ein Missverständnis vor!

Ich verlange meinen Kindern nichts ab, als das was sie von sich aus auch machen. Und nein – kein Kind entscheidet mit 6 über seinen Berufswunsch – in dem Sinne. Aber(!!) aufgrund der Persönlichen Interessen, die intrinsischen Motiven entspringen und damit das ureigenste Selbst meiner Kinder hervorbringt, entstehen in der Entwicklung – über mehrere Jahre hinweg – zwangsläufig automatisch irgendwann Eignungen oder Vorlieben für eine bestimmte Richtung und/oder Laufbahn.

Jemand der sich zum Spaß mit Zahlen spielt, eignet sich eher für Berufe und Sparten wie Mathematik (Buchhaltung, Statistik, Rechnungswesen, Programmieren), Physik (Architektur, Statik, theoretische Physik..), Chemie (Wissenschaft, Forschung,…) usw. als jemand der seine Schwerpunkte zum Beispiel bei sozialen Fähigkeiten hat wodurch er  sich dann wiederum eher für die Pädagogik, Psychologie, Pflege, Sozialarbeit … usw. eignet als der Mensch mit der oben genannten Vorliebe.
Und sofern die beiden oben genannten dieses Interesse nicht auch mitbringen, werden sie sich nicht so gut für eine Handwerkliche Tätigkeit eignen wie ein Mensch der seine Interessen im Handwerklichen Bereich hat. Es ist also dahingehend durchaus möglich, dass die spätere Berufswahl, schon in der Kindheit abzusehen war. Aber eben erst im Nachhinein.

Und jetzt ernsthaft: Das Kind (respektive den Menschen) dass sich frei entfalten darf und sich dann entscheidet nichts zu machen – soll mir erst mal einer zeigen! Wenn man mir ein gesundes Kind zeigen kann dass sich ohne Druck von außen und trotz der nachweislichen Erfüllung der Grundbedürfnisse, insbesondere der psychologischen Grundbedürfnisse (also Bindung, Exploration, sensorischer Stimmulation und Selbstwirksamkeit) aktiv gegen die natürliche Entwicklung des Dazulernens verweigert.. dann werde ich auf diese Problematik eingehen. Aber – jetzt mal ernsthaft – die Problematik ist nicht Existent!

Und auch da eine Missinterpretation: Wenn sich deine Tochter für Physik interessiert ist es – wenn nötig – deine Aufgabe ihr den Zugang zur Physik zur ermöglichen. Egal ob das jetzt durch deine eigenen Kenntnisse, die eines Freundes, die eines Buches, den Besuch der Bücherei, die Teilnahme an einem Workshop oder Kurs, die des Internets oder viele andere mehr sind. Die einzigen Voraussetzungen sind ihr Interesse und die freiwillige bis selbstbestimmte Beschäftigung mit dem Thema. Wenn sie aber schon die ersten 12 Jahre als Freilernerin verbracht hat, wird sie inzwischen wissen wo sie Informationsquellen hat, wird wissen wann sie dich ansprechen muss (wenn ihre Bezugsquellen nicht mehr ausreichen, damit du ihr wenn nötig [zum Beispiel:  finanziell] helfen kannst neue zu beschaffen oder um ihr wenn nötig [zum Beispiel: falls erforderlich] die Erlaubnis zur Teilnahme an einer entsprechenden „Maßnahme“ zu erteilen)

Es spricht auch nichts dagegen, dass sich meine Kinder in späterer Folge für den Schulbesuch entscheiden. Oder dass sich einzelne Kinder für die Schule entscheiden, während andere es nicht tun. Wenn sie das wollen sollen sie. Bei Benjamin war es eher so, dass je mehr sich die Familie väterlicherseits auf den Schulbesuch freute – desto mehr blockte er davor ab. Das ständige „jetzt kommst du bald in die Schule!“ und „Na! Freust du dich schon? Jetzt bist du bald ein Großer“ auch von Nachbarn und dem Kindergarten setzten im merklich zu. Als er dann in der Schule mit dabei war, wuchs sein Unbehagen davor, dort hin zu müssen noch mehr. Ich hatte mich zwar schon vorher mit der Möglichkeit des ‚häuslichen Unterrichts‘ auseinandergesetzt (ohne ihn einzuweihen), war aber eigentlich der Meinung: dass wenn Benjamin in die Schule gehen will, weil es ihm so gut gefällt, er auch gehen soll! Ich legte ihm erst nachdem er sich sträubte beide Varianten (Schule und ‚häuslicher Unterricht‘) dar, woraufhin er sich klar gegen den Schulbesuch aussprach.

Der einzige Eingriff den ich mir vorerst gestatte ist der, den Horizont meiner Kinder aktiv durch Input (wie Museumsbesuche, Wanderungen, Geschichten, Bücher, Videos, Spiele und andere Materialien – zb durch die Nutzung der zahlreichen Angebote im Rahmen der Kinderaktivcard) möglichst weit offen halten, damit sie sich nicht zu früh spezialisieren. Außerdem ermöglicht dies, den Erwerb einer möglichst breitgefächerten Allgemeinbildung.

Wenn sich  meine Kinder zum Beispiel für Sonne, Mond, Sterne, Planeten, Weltall usw. interessieren – kann ich mit ihnen darüber philosophieren, ich kann ihnen auch erzählen was ich weiß. Peter das was er weiß. Ich kann Bücher und beispielsweise – weil ich sie ohnehin habe 🙂 – die passende „Was ist Was?“ – DVD (das sind Dokumentationsfilme für Kinder) anbieten, außerdem kann ich nachschauen ob das Planetarium der Volkshochschule Wien ein entsprechendes Programm hat… und und und

Ich gehe – momentan – davon aus, dass sich meine Kinder wenn sie lesen können dieses Angebot (zB: Kinderaktivcard, Umweltspürnasen, Kinder- und Jugendorganisationen,..) selbst zunutze machen werden.

 @darf man von Menschen nichts mehr erwarten?

Was man darf und was man nicht darf ist etwas, dass ich seit geraumer Zeit sehr gewissenhaft hinterfrage. Und zwar immer dann wenn diese „mans“ – also sogenannte Glaubenssätze – auftauchen.

Ich stelle an mich selbst den Anspruch nichts zu machen, was meine physische oder psychische Unversehrtheit beeinträchtigt – ohne mir der Konsequenzen bewusst zu sein und sie gegebenenfalls in vollem Umfang in Kauf zu nehmen.

Ich kann alles machen was ich machen will, sofern ich weiß was ich da tu!

Als Bürgerin möchte ich deshalb – beispielsweise – nicht gegen geltendes Recht (also von außen auferlegte Bestimmungen) verstoßen. Ich möchte auch nicht einem Beruf anhängen – nur weil ich ihn mal gelernt habe – obwohl ich inzwischen weiß, dass er mich nicht erfüllt, oder sogar belastet. Ich kann mich aber – wenn ich mir der Schmerzen, der Gefahren und der Langzeitauswirkung bewusst bin – tätowieren lassen (also mich selbst verstümmeln bzw. die eigene körperliche Unversehrtheit zerstören 😛 .. und ja ich bin tätowiert). Ich habe aber – zum Beispiel – kein Recht die Unversehrtheit meiner Kinder zu zerstören (Ohrringlöcher, Bescheidung, Gewalt, Machtmissbrauch,..). Das widerspricht einfach meinen persönlichen Grundsätzen – die aber wiederum auch nur für mich gelten, die muss sonst kein Mensch so übernehmen.

Der einzige Anspruch den ich deshalb an – mündige ! – Menschen stelle ist, dass sie Wissen was sie tun! Sich über die Konsequenzen (seinen sie positiv oder negativ) im Klaren sind.

Damit sind viele eh schon überfordert. 😛
Deshalb komme ich leider auch manchmal Oberlehrerinnenhaft rüber, wenn es auch hier im Forum (jetzt nicht unbedingt in dieser Gruppe) darum geht, dass Kinder schreien gelassen werden; dass man sie zum Zwecke der Auszeit in ihr Zimmer schickt; Kinder als Zicken oder Dramaqueens abgestempelt werden, wenn sie Stressbewältigungsstrategien wie das sekundäre Coping erlernen/nutzen oder ähnliches. Ich trete vor, teile mein Wissen und meine Erfahrungen und halte die Leute auch an, das nochmal zu überdenken was sie geschrieben haben. Sehr, sehr, sehr oft kommt dann „so hab ich das noch gar nicht gesehen“ oder „das hab ich gar nicht bedacht“ und wenn nicht, dann bleibt für mich das Wissen dass ich es nicht unversucht habe lassen. Und dass sich mein gegenüber der Konsequenzen bewusst ist und sie für sich in Kauf nimmt. Das ist eben nicht meine Entscheidung.

Aber das ist auch der einzige Anspruch den ich an meinen „Erziehungsweg“ habe. Ich möchte, dass am Ende Menschen raus kommen, die nicht vorschnell urteilen, sondern wissen wie man sich Daten und Fakten zusammenträgt, um sich Wissen selbstständig und unabhängig anzueignen – und ihre Entscheidungen aufgrund dieses erworbenen Wissens, dieser Erkenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten nach bestem Wissen und Gewissen fällen. Menschen die wissen, dass man niemals aufhört – für sich selbst – zu lernen. Sondern dass Menschen nur aufhören für die Schule zu lernen.

Und nur weil man die Schule mal schmeißt, heißt das nicht automatisch, dass man sie nicht 10 oder auch 20 Jahre später im zweiten Bildungsweg wieder aufnimmt (oder auch eine andere Form)! Und da gibt es dann doch ein paar Menschen die das auf sich nehmen. Dann aber weil sie es selbst wollen, sich selbst dazu entschieden haben, wissen auf was sie sich einlassen, wissen was sie damit machen wollen und sich selbst ein Ziel gesetzt haben dass es zu erreichen gilt.

Ob meine Kinder mit 10, 15, 20 oder 35 ihren Weg finden werde ich beobachten. Aber nicht be- oder verurteilen. Dieses Recht hätte ich beispielsweise auch meiner Mutter – die ich liebe – im Bezug auf mich nicht zugestanden. Auch ich habe meinen Weg gewählt und tue es weiterhin – ich bin dafür was ich erreicht habe und in Zukunft noch erreichen will/werde selbst verantwortlich. Diese .. nennen wir es: Opfermentalität .. liegt mir außerdem nicht, weil ich ja – in diesem speziellen Fall – ohnehin davon überzeugt bin, dass man jederzeit, alles lernen kann, es auch niemals zu spät ist und somit jederzeit mit allem anfangen kann.

Das Jammern darüber, dass irgendwer anderer irgendwann nicht genügend dahintergestanden hätte, einem in den A*sch zu treten.. raubt einem nur weitere Zeit. Und erst diese Zeit ist wirklich verloren!

Natürlich werde ich meine Kinder auf ihren Wegen unterstützen – aber [und jetzt zitiere ich meine Schwiegermutter:] „das Gegenteil von ‚Gut‘ ist ‚Gut gemeint‘“. Wenn mein Kind sich so bildet wie es das möchte, braucht es keinen Druck, kein strafen, keinen strengen Blick, kein verängstigen, kein bedauern, kein auf die Tränendrüse drücken und auch niemanden der vom Ernst des Lebens faselt!

In diesem Sinne:
alles Liebe

Ein Gedanke zu “#aus dem Blauen gefragt: Lernen was und wann man will – was darf man dann noch erwarten?

  1. Ich wundere mich das Eltern immer wieder davon ausgehen das 5-10 tatsächlich nichts wissen oder lernen wollen würden meine Erfahrung ist anders – viele Kinder sind über grosse Strecken unterfordert und werden unaufmerksam…. Hätten Sie Mitspracherecht oder eine Chance zur Mitgestaltung sieht das ganz anders aus…..
    Was sagt es aber über eine Gesellschaft aus die in ihren Nachwuchs der Lernfeind und Verweigerer bezwingen will zu einer Zeit wo er noch nicht mal existiert?

    Gefällt mir

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