Benjamins bisheriger Weg

Ich möchte mit diesem Beitrag auf Benjamins bisherigen Weg und unsere gemeinsame Entwicklung eingehen.

Benjamin ist mein erstes Kind.

Nach seinem 2. Geburtstag machte ich mich auf die Suche nach einer Betreuungseinrichtung. Warum? Naja – Weil man das eben so macht! 😉 Ich habe mir, ein wenig naiv, eigentlich kaum Gedanken darum gemacht, was ich für eine Betreuung für meinen Sohn möchte. Ich dachte mir einfach, dass die eh alle so ungefähr dasselbe machen.  Das Hauptkriterium war also auf die Verfügbarkeit eines Betreuungsplatztes reduziert. Ich wurde in meiner Straße in einer Kindergruppe fündig.

Es war ein kleines Häuschen mit 3 Zimmern und Garten. Die Leiterin der Kindergruppe wirkte nett, die Betreuerin auch ok. Benjamin sollte also eingewöhnt werden. Ich hatte mir nach wie vor wenig Gedanken darüber gemacht, wie eine Eingewöhnung optimalerweise abläuft. Ich kam ursprünglich aus der IT-Technik. Ich wusste in meinem Bereich bescheid, also ging ich davon aus dass auch die Betreuerinnen schon wissen was sie tun.

Die Eingewöhnung war kurz und laut, begleitet vom Weinen meines Sohnes. Ich wusste es nicht besser, dachte das müsse halt so sein und ließ es zu – mir blutete das Herz, wenn man mich aufforderte nun raus zu gegen und ihn da zu lassen. Ich sprach meine Bedenken trotzdem an, wurde aber mit einem unterschwelligen Kommentar abgekanzelt, dass ausdrücken sollte, dass ich wohl eine Mama bin die nicht loslassen könne. Etwas benommen, nahm ich mich zurück.

Es war ein holpriger Start. Die Betreuerin wurde aber bald darauf gekündigt und eine Neue übernahm die Gruppe. Mit ihr besserte sich Benjamins Einstellung zum Besuch der Kindergruppe. Er wurde sicherer, öffnete sich auch in der Gruppe, wurde Kommunikativer, schloss Freundschaft und nahm aktiv am Leben und den Projekten in der Gruppe teil.

Ich war schwanger mit meiner Tochter Lilith. Constantin war etwas älter als ein halbes Jahr. Es ging gut.

Mein Ausscheiden über mehrere Jahre aus einem so schnelllebigen Sektor wie der IT-Technik, lies mich den Überblick in meiner Branche vollends verlieren. Ich stand beruflich vor einer Umorientierung.
Als meine Tochter geboren war besuchte ich mit ihr eine kostenlose Babymassageschnuppereinheit bei jobs|mit|herz einem Ausbildungsinstitut für pädagogische Berufe und mehr.
Die Atmosphäre vor Ort war mir so sympathisch, dass ich dort einfach hängen geblieben bin. Nach diesem Samstag rief ich die Homepage und die diversen Angebote immer wieder auf und ließ mich inspirieren.
Nach ein paar Wochen Recherche, entschied ich mich für eine – bzw. drei – Ausbildung(en) an dem Institut.

Die Ausbildungen zur Tagesmutter, zur Kindergruppenbetreuerin und zur Bi.G.© Familienbegleiterin. Um diese absolvieren zu können schloss ich eine weitere Betreuungsvereinbarung – für meinen zweiten Sohn, Constantin – mit einer benachbarten Kindergruppe ab. Die Eingewöhnung meines jüngeren Sohnes war besser, ruhiger, meinem Sohn ging es gut – dem Erstgeborenen ebenfalls. Meine jüngste Tochter begleitete mich, einzelne Tage, und verbrachte den Rest der Zeit in der fürsorglichen Obhut meiner pensionierten Schwiegermutter.

Nach ein paar Wochen änderte sich das Verhalten von Benjamin Schlagartig, als eine neue Betreuerin die Gruppe übernahm. Man lud mich vor, um das besorgniserregende Fehlverhalten meines Sohnes zu besprechen und riet mir eindringlich zum Kinderpsychologen zu gehen, um abzuklären was bei uns zu Hause schief läuft. Ich hatte nicht vor das zu tun, beschwichtigte die Betreuerin und die Leiterin aber durch oberflächliche Zustimmung.
Im Rahmen meiner Ausbildung musste ich ein Praktikum absolvieren. Also bat ich die Leitung mir diese Gelegenheit in Benjamins Gruppe einzuräumen. Sie stimmte zu.

Ich absolvierte mein Praktikum vor Ort und bekam aus erster Hand Einblick in die Arbeitsweise der neuen Betreuerin. Zusammenfassend reicht der Ausdruck „heillose Überforderung“ um zu beschreiben, wie sie sich dabei tat. Sie schimpfte und schrie fast ohne Pause. Textete Nachrichten auf ihrem Telefon, ließ es liegen und schrie die Kinder dann an, wenn sie es verschleppten. Setzte Kinder – die wegen vollen Windeln, Hunger oder auch Schmerzen weinten – auf den stillen Stuhl, bis sie ihr Klagen aufgaben. Außerdem war sie – abgesehen von der Zeit in der ich anwesend war – ganztags alleine mit den Kindern.

An dem Tag an dem ich mein Praktikum beendete, waren auch meine Söhne das letzte Mal in den Gruppen (obwohl es bei Constantin keine Probleme gab). Ich kündigte die Betreuungsvereinbarungen und ging.
Die nächsten beiden Ausbildungen absolvierte ich mit der betreuenden Hilfestellung meiner Schwiegermutter und Benjamins Vater sowie dessen  Mutter.

Ich wusste jetzt, dass es gravierende Unterschiede zwischen den einzelnen Betreuungseinrichtungen gibt und gewann durch meine Ausbildung mehr Selbsterkenntnis darüber, was mir wichtig war – bzw. sogar viel eher, was mir durch meinen Wissenserwerb im Rahmen meiner Ausbildungen (und darüber hinaus), erst wichtig wurde!

Mit diesem Rucksack an Ansprüchen machte ich mich wieder auf die Suche nach einem geeigneten Betreuungsplatz. Es dauerte einige Zeit und Mühen – aber ich fand einen! 14 Monate nach der Kündigung in der Kindergruppe, begann die Eingewöhnung in einem privaten Wiener Kindergarten. Diese Eingewöhnung orientierte sich am Kind und verlief viel entspannter. Der Kindergarten bot viele Angebote die mir sehr imponierten. Er bestand aus 4 Gruppen a 21 Kinder (1-6 Jahre) mit 3 Betreuern pro Gruppe. Die Kinder hatten zwar ihre jeweiligen Stammgruppen, durften aber frei zwischen den Gruppenräumen wechseln, wenn ihnen das Tagesangebot der eigenen Gruppe nicht entsprach. Das Leitmotiv und die Werte des Trägervereins wurden im Kindergarten tatsächlich gelebt – und das kam auch bei uns Eltern an. Ein zusätzlicher Bewegungsraum, der Garten, die Ausflüge und das 100% Bio-Essen rundeten das Angebot sehr sympathisch ab. Am wichtigsten jedoch war, dass sich meine Kinder auf Anhieb wohl fühlten.

IMG_20160413_0001Das ist nun fast 2 Jahre her. Wegen unserem Umzug, von der Wohnung ins Haus, wechselten wir nach einem Jahr innerhalb des Trägervereins in eine andere Kindergarten-Zweigstelle. Dort fanden wir glücklicherweise auch all das vor, was uns inzwischen wichtig geworden war. Die Kinder fühlen sich wohl und ich bin nach wie vor wirklich sehr zufrieden mit meiner Wahl. Benjamin wird in wenigen Wochen aus dem Kindergarten ausscheiden. Wir feierten am vergangenen Freitag das Abschlussfest im Kindergarten. Dabei wurden die zukünftigen Schulkinder feierlich Verabschiedet. Benjamin merkt man inzwischen schon an, dass er für sich mit dem Abschnitt „Kindergarten“ abgeschlossen hat. Er geht zwar noch in den Kindergarten und war dort auch bisher wirklich gerne, freut sich aber sehr auf das Leben danach und kommuniziert uns das auch.

Im Juni geht er noch bis zur Nachmittagsjause in den Kindergarten, im Juli nur mehr Vormittags und im August schließlich gar nicht mehr.

Ein großer Abschnitt geht damit nun zu Ende.

Bis zum nächsten Mal
alles Liebe

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