freilernen – was heißt das eigentlich?

Als Freilerner*Innen bezeichnen sich Menschen, die sich bzw. deren Kinder sich ohne den Besuch einer Schule selbstbestimmt und selbstorganisiert bilden. In unserer Gesellschaft, in der die meisten Leute be- oder verschult worden sind, gilt die Schule inzwischen als Selbstverständlichkeit. Manche Menschen können sich gar nicht vorstellen ohne eine Schule, Wissen, die akademischen sowie sozialen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erlangen oder das richtige Sozialverhalten erlernen zu können. Sie sind davon überzeugt, dass man ohne den Besuch einer Schule, kein erfolgreiches Dasein in unserer Gesellschaft fristen kann. Was mit Sicherheit auch  daran liegt, dass die meisten Menschen nichts anderes kennengelernt haben.

Ein Mensch der frei lernt, wird sich einfach von seiner Neugierde leiten lassen. Jeder ist von Natur aus stets offen dafür Neues zu erlernen – sofern das Umfeld, diesen natürlichen Wissensdurst nicht beeinträchtigt oder gar zerstört. Schulen die strikten Lehrplänen und starren Stundentafeln folgen, ohne auf die einzelnen Individuen und ihre jeweiligen Interessen Rücksicht zu nehmen bzw. nehmen zu können, tun das aber leider ganz automatisch (Quelle).

zwei eingeworfene Fragen, die immer wieder dazu auftauchen:
Das klingt ja schön und kuschelig – jede*r lernt was er/sie will -, aber kommt man damit bis zur Matura / zum Abitur?

Prinzipiell? Ja, natürlich! Wenn man weiß was man will, und sich selbst ein Ziel steckt, dass die Absolvierung einer Matura erfordert (wie zum Beispiel ein Studium, ein bestimmter Beruf oder ähnliches), dann wird man alles daran setzen sein Ziel zu erreichen. Wäre dem nicht so, würden sich niemals Menschen dazu entscheiden Schulabschlüsse im 2. Bildungsweg nachzuholen. Selbst wenn das heißt, dass man stupide Stoff lernen muss, der einen nicht interessiert, um – wie alle anderen auch – in einer Momentaufnahme eine Prüfung zu bestehen, die einem die gewollte bzw. benötigte Qualifikation sichert, um seinen Weg fortsetzen zu können. Nach dem Test, wird von den allermeisten Absolventen sowieso das allermeiste wieder vergessen (Quelle). Richard David Precht benannte dieses Phänomen Bulemie-Lernen. Man frisst das Wissen in sich hinein und kotzt es dann auf den Testbogen – wo es auch verbleibt. Ich bin da zuversichtlich. Das schaffen meine Kinder sicher auch, wenn sie müssen. 😛

Und wenn sie kein entsprechendes bzw. hohes Ziel haben, sollen sie einfach keine Matura machen?  Oder wie?

Prinzipiell? Genau. Wenn jetzt, zum Beispiel, mein Sohn der sich sehr für die Gartenarbeit und das Hegen und Pflegen unserer Pflanzen interessiert, sich später mal dazu berufen fühlen würde Gärtner zu werden – dann soll er Gärtner werden! Er wird sich seinen Weg wählen und dann alles erforderliche dafür tun um seine Ziele zu erreichen. Was bringt es mir oder meinem Kind oder ferner unserer Gesellschaft, eine Horde von Maturanten zu produzieren, die dann nach der Matura erstmal überhaupt nicht wissen was sie machen wollen, weil sie sich – Aufgrund der Tatsache, dass sie die letzten 12 Jahre, Tag ein Tag aus, fast ausschließlich damit beschäftigt waren, von Übergeordneten Personen erteilte Aufträge zu bearbeiten – selbst nicht mehr kennen. Die dann erst mal 2 oder 3 Jahre, bevor ihnen das Licht aufgeht, wie bei „1, 2 oder 3“ von einer Studienrichtung in die andere hopsen müssen, weil sie keine Ahnung haben was sie interessieren könnte!

Als Freilernerin vertrete ich die Meinung, dass  ich meine Töchter und Söhne nicht – in dem Sinne – auf das spätere Leben vorbereiten muss, indem ich sie Dinge lehren müsste, die sie möglicherweise irgendwann einmal brauchen könnten. Denn sowohl mein Mann als auch ich, haben aufgrund unserer Erfahrungen im Leben, die Überzeugung gewonnen, dass jeder gesunde Mensch dazu in der Lage ist, jederzeit, alles zu lernen, was er für sein persönliches Leben braucht… und sogar noch viel mehr!

Eine äußerst interessante Studie von Dr. Peter Gray einem Psychologie-Professor am Boston College in Zusammenarbeit mit Gina Riley, Ph.D. einer Bildungspsychologin und klinischen Professorin für Jugend-Sonderpädagogik an der City University of New York – Hunter College, befasst sich mit der Thematik was mit Freilernerkindern passiert wenn sie Erwachsen werden: http://freilerner.de/studie-wenn-freilerner-erwachsen-werden/

schöne Grüße und alles Liebe

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