Die ersten Hürden – Erfahrungen mit Schulen und Behörden

Ich hab im Herbst 2015 begonnen mich intensiver mit den hiesigen Schulen zu beschäftigen. Mir die Homepages angesehen, die Tage der offenen Türen rausgesucht, nach Erfahrungsberichten und Zeitungsartikeln über Schul- und Klassenprojekte gesucht. Am Tag der Wiener Schulen (5. Oktober) begann der Run von einer Schule zur Nächsten. Es gab Schulen die ich komplett durchwanderte und mich mit der Direktorin (Direktoren waren keine dabei) unterhielt, aber auch Schulen bei denen ich kurz nach dem Betreten – innerhalb einer Minute – wieder kehrt machte. Oktober und November war also für die intensive Recherche reserviert. Ich hab mich – soweit vorhanden – in die Elternvereinsforen eingelesen und in lokalen Facebookgruppen Eltern und ehemalige Schüler gebeten mir ihre Erfahrungen mit den einzelnen Schulen zu schildern usw. Ich wollte wirklich eine Schule finden, aber nicht irgendeine. Ich selbst war auf einer öffentlichen Schule, hatte Glück mit meinem Lehrer und gute Erfahrungen dort gemacht, deshalb wollte ich auch eine öffentliche Schule für meine Kinder finden. Außerdem sind die Privatschulen hier fast alle Konfessionelle Schulen – und was ich davon halte erläutere ich gern ein anderes mal. Erschwerend kommt noch hinzu dass derzeit beim Besuch einer öffentlichen Pflichtschule (Volksschule, Hauptschule, Sonderschule, Polytechnische Schule, Berufsschule) keine freie Schulwahl besteht. Der Wunsch das Kind in eine ganz bestimmte öffentliche Pflichtschule zu geben, selbst wenn sich diese im eigenen Schulsprengel befindet, ist daher möglicherweise nicht ohne weiteres realisierbar.

In Österreich ist es außerdem sowieso erforderlich, dass man sein Kind an einer Schule anmeldet um es von dort aus, zum häuslichen Unterricht abzumelden. Denn prinzipiell kann der Antrag auf den häuslichen Unterricht innerhalb einer bestimmten Frist abgelehnt werden. In dem Fall bäuchte das Kind dann einen Platz in der Schule.

Ich war also Mitte Jänner in der nächstgelegenen Volksschule um mein Kind anzumelden. Ich hab mir die Schule davor schon mal angesehen und war nicht sehr begeistert, aber von den meisten anderen auch nicht mehr – also ging ich einfach zu der die am nächsten lag. Zum einen war die Direktorin nicht besonders freundlich, zum anderen wurde Infomaterial ausgeteilt dass vor Fehlern nur so strotzte. Ein Auszug aus der Hausordnung den offensichtlich nie jemand gegen gelesen hatte – sonst wären die Fehler hoffentlich aufgefallen -, aber auch andere Highlights waren dabei.

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Mal abgesehen von fehlenden Worten und der fragwürdigen Interpunktion. Beim ersten Satz stellt es mir schon die Haare auf: „Eltern verabschieden Ihr Kind“…  Ähm, nein! Entweder „Sie verabschieden Ihr Kind“ oder „Eltern verabschieden deren Kind“ aber nicht so wie es da steht, denn das beträfe sinngemäß irgendwelche Eltern und mein Kind.
Aber einfach selbst einen Blick drauf werfen, es springt einem eh in jedem Satz mindestens ein Fehler an.

Ein Bestseller braucht es ja nicht sein, aber von einer Bildungseinrichtung erwarte ich mir einfach mehr, zumindest mehr Sorgfalt. Das ist doch nicht zu viel verlangt, oder?!
Lächerlich wurde es aber als die Frau erklärte, dass ihre Schule die Standards für den gesamten Bezirk definiert hat. Aber gut, belassen wir es dabei. Soll so sein.

Die Direktorin erwähnte bei unserem ersten persönlichen Gespräch zur Einschreibung, bei der ich den Wunsch äußerte meinen Sohn zum häuslichen Unterricht abzumelden, dass sie schon langjährige Erfahrungen mit Kindern im häuslichen Unterricht habe und das immer reibungslos ablief.
Trotzdem, durch die Art wie sie das sagte, hatte ich kein gutes Gefühl mehr damit ihr diese Information anvertraut zu haben.

Während ich bei diesem Termin saß, wurde über die Schulreife meines Sohnes geurteilt. Bei dieser wird entschieden ob das Kind in die Vorschule (mangelnd schulreif) oder in die erste Klasse(schulreif) eingeschrieben wird. Ich war und bin davon überzeugt, dass er nicht schulreif ist und somit in die Vorschule gehen sollte. Die Lehrerin die diese Einschätzung vornahm, natürlich objektiv da sie es machte ohne vorher mit mir gesprochen zu haben ;), war ebenfalls nicht davon überzeugt dass er schulreif wäre. Die Direktorin fuhr ohne meinen Sohn zu kennen drüber und sagte „ah, das passt schon“, die Lehrerin lenkte ein.
Mein Unbehagen wuchs.

Einen Monat später kamen wir wieder zum Zwecke der schulärztlichen Untersuchung. Die Schulärztin war noch weniger davon überzeugt, dass er schulreif wäre. Er ist intelligent, liest und zählt bis 100 und rechnet im Zahlenraum von 10 aber es mangelt noch an der Feinmotorik um krampffrei schreiben zu lernen und – für die Schule (und darum geht es bei dieser Einstufung) – hätte er noch einen zu dominanten Bewegungsdrang der seine Aufmerksamkeit zu stark einschränkt. Ein Jahr in der Vorschule würde ihm die Zeit einräumen die er bräuchte, um danach alles nötige, ohne zu großen Druck zu erlernen. Ich machte aber leider den nächsten Fehler und sagte ihr, dass ich das ebenso sehe wie sie, aber die Direktorin mit dieser Einschätzung nicht übereinstimmt. Daraufhin relativierte und revidierte die Schulärztin ihre Einschätzung und schloss sich der Direktorin an. :/ Ich und mein großes Mundwerk.

Mein Sohn wurde also als schulreif eingestuft. Einspruch hätte ich erheben können, wollte ich aber nicht – aus Angst der Wirbel könnte den häuslichen Unterricht gefährden, wodurch mein Sohn erst recht in diese Schule gehen hätte müssen, die sich schon bis zu diesem Zeitpunkt einen Dreck um seine Bedürfnisse scherte  – also beließ ich es einfach dabei. Irgendwie werden wir das schon schaffen.

Außerdem fütterte sie mich (ob wissentlich oder nicht wage ich nicht zu beurteilen) mit Fehlinformationen die – wenn ich nicht schon vorher Bescheid gewusst und mich folglich an ihre Aussagen gehalten hätte – den häuslichen Unterricht ebenfalls erschwert hätten.

Ich wartete  über 2 Monate auf den Bescheid über die Schulreife. Mir wurde zugesichert, dass dieser bereits mit der Post auf dem Weg zu uns war. Eine Woche später platzte mir der Kragen – nachdem ich ein Schreiben erhielt in dem stand, dass mein Sohn aufgenommen wäre, aber sonst weder die Information für welche Schulstufe, noch die bis dahin 4x eingeforderte Schulreifebestätigung (die für die Abmeldung zum häuslichen Unterricht essentiell ist) enthielt – und ich holte mir daraufhin den Wisch persönlich ab. Ich bekam ihn also endlich, aber wieder mit dem Hinweis dass sie ihn per Post bereits geschickt hat (der kam übrigens bis heute – über ein Monat später – nicht an). Wieder gespickt mit Fehlinformationen verließ ich die Direktion. Hoffentlich für immer!

Ich reichte Ende April, nämlich am 26., beim Stadtschulrat die Anzeige zur Abmeldung zum häuslichen Unterricht ein. Schnell und unbürokratisch. Und freue mich heute – genau einen Monat später – schon mal leise vor:

Nach Paragraph 11 Schulpflichtgesetz Absatz (3) Die Eltern oder sonstigen Erziehungsberechtigten haben die Teilnahme ihres Kindes an einem im Abs. 1 oder 2 genannten Unterricht dem Landesschulrat jeweils vor Beginn des Schuljahres anzuzeigen. Der Landesschulrat kann die Teilnahme an einem solchen Unterricht innerhalb eines Monates ab dem Einlangen der Anzeige untersagen, wenn mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, daß die im Abs. 1 oder 2 geforderte Gleichwertigkeit des Unterrichtes nicht gegeben ist.

Ich freue mich leise, weil es ja rein theoretisch noch bis morgen dauern könnte, bis die Post einen derartigen Brief bringt. Begründung wüsst ich keine. Rechnen tu ich auch nicht damit.

Alles liebe

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