ich setze zu viel voraus

Das ist die Erkenntnis, die ich heute erlangt habe, nachdem ich meine Seite in einem Forum geteilt habe. Ich selbst habe mich jetzt mehrere Jahre mit dem Thema befasst, habe Zeit gehabt mir meine Meinung zu bilden, viele Diskussionen geführt und sie gegen alle möglichen Argumente verteidigen können, um zu prüfen ob sich meine Sicht bewähren kann oder ich meine Position irgendwo nachkorregieren muss. Ich habe in meinem Umfeld auch einige Menschen die sich ebensosehr damit befasst haben. Aber das hat eben nicht jede*r und das habe ich offensichtlich vergessen!
Die meisten haben nämlich dieselben Vorurteile die ich selbst auch noch vor einigen Jahren hatte. Dieselben Vorurteile, die mein Mann verwendete um mich – quasi als advocatus diaboli – auf meine Überzeugtheit und Argumentationsfestigkeit hin, zu prüfen.

Deshalb braucht es ein wenig mehr Informationen und die versuche ich jetzt zusammenzutragen.

die rechtliche Grundlage:
Das Lernen im häuslichen Unterricht ist im österreichischen Schulpflichtgesetz § 11 geregelt welches im Absatz 2 besagt dass:
(2) Die allgemeine Schulpflicht kann ferner durch die Teilnahme an häuslichem Unterricht erfüllt werden, sofern der Unterricht jenem an einer im § 5 genannten Schule – ausgenommen die Polytechnischen Schule – mindestens gleichwertig ist. (BGBl. Nr. 322/1975, Art. I Z 19)

zur Überprüfung der Gleichwertigkeit dient der Absatz 4:
(4) Der zureichende Erfolg eines im Abs. 1 oder 2 genannten Unterrichtes ist jährlich vor Schulschluß durch eine Prüfung an einer im § 5 genannten entsprechenden Schule nachzuweisen, soweit auch die Schüler dieser Schulen am Ende des Schuljahres beurteilt werden. Wird ein solcher Nachweis nicht erbracht, so hat der Bezirksschulrat anzuordnen, daß das Kind seine Schulpflicht im Sinne des § 5 zu erfüllen hat.

Das bedeutet:
Jedes Kind kann – unter Einhaltung der gesetzlichen Fristen – von der Schule zum häuslichen Unterricht abgemeldet werden. Jedes abgemeldete Kind muss jedes Jahr vor dem Schulschluss mittels Prüfung nachweisen, dass es das „Soll“ erfüllen kann. Kann es das, kann es weiterhin zu Hause bleiben – kann es das nicht, muss es in eine Schule mit Öffentlichkeitsrecht wechseln, und das Jahr in dem es gescheitert ist dort wiederholen.

Außerdem wurden mir im Forum eine Reihe von Fragen gestellt die ich auch hier nochmal beantworten will:

Werden Kinder in Österreich im häuslichen Unterricht vom Staat finanziell unterstützt?

Nicht mehr als jedes andere Kind in Österreich auch. Soll heißen: Alle Kinder in Österreich – gleich ob sie in eine Familie von Arbeitslosen oder Millionäre hinein geboren werden und gleich welche Schulform sie besuchen – haben Anspruch auf die Familienbeihilfe.

Willst du deine Kinder nie in die Schule schicken?

Das lasse ich offen! Ich möchte meine Kinder nicht in eine schlechte Schule schicken, die ihren Bedürfnissen nicht entspricht. Und schon gar nicht mit der Begründung „aber das macht man halt so“ oder „bei uns war das auch schon so“. Gäbe es eine Schule wie diese: https://www.youtube.com/watch?v=4Ud7SX7ZHdc in meiner Umgebung (und ich finde sie sollten alle so sein!), und hätten meine Kinder eine Chance dort einen Platz zu bekommen dann würden meine Kinder in diese Schule gehen.
Wenn sich meine Kinder von sich aus irgendwann für den Schulbesuch entscheiden – werden sie in die Schule gehen können (und ich werde sie auf ihrem Weg begleiten).
Momentan denke ich auch über die Gründung einer Schule nach – dieser Gedanke steckt allerdings in den Kinderschuhen. Damit werde ich mich in den nächsten Jahren noch eingehender befassen.
Ich bin nicht gegen Schule an sich. Ich bin nur gegen schlechte Schulen. Die sind eine pure Verschwendung von wertvollen Ressourcen. Angefangen von Steuergeldern bis hin zur Lebenszeit Kindheit.

Machst du das sicher nicht nur aus Egoismus, weil du dich nicht von deinen Kindern trennen kannst?

Meine Kinder verbringen die ersten beiden Jahre in meiner direkten Umgebung. Zumeist auf der Hüfte sitzend und/oder ins Tragetuch eingebunden. Bis sie sich auf ihren Touren immer weiter von mir entfernen.
Ich habe sehr lange nach einem geeigneten Kindergarten gesucht und bin schließlich fündig geworden. Je nach Persönlichkeit erfolgt(e) zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr der Eintritt in den  Kindergarten. Einen Kindergarten den ich nicht als schlichte Betreuungseinrichtung sondern als Bildungseinrichtung anerkenne. In dem die Kinder auf Entdeckungsreise gehen können, sich frei im Haus bewegen können, zwischen den Gruppen wechseln können, nicht an Aktivitäten teilnehmen müssen wenn sie ihnen nicht zusagen, ein schmackhaftes und gesundes (sowie 100% bio) Essen bekommen und so weiter. Eine Einrichtung in die ich meine Kinder jeden Tag geben kann. Aber auch keine Probleme habe meine Kinder zu Hause zu lassen, wenn ich einen besonderen Ausflug oder eine Reise mit ihnen geplant habe. Oder wir einfach was anderes machen wollen – und wenn es nur darum geht den verregneten Tag auf der Couch zu verkuscheln. Ohne dass sie „Lebenswichtige“ Inhalte verpassen könnten die – aufgrund der Klassengröße und der starren Lehr- und Stundenpläne in der Schule – nicht wiederholt werden könnten.

Glaubst du nicht, dass deine Kinder somit den leichten Weg gehen, und sich um die Herausforderungen [Anm: hier wird auf Konflikte (unter anderem auch mobbing) und Hausübungen angespielt XD] des Lebens drücken werden?

Nein. Glaube ich nicht. Wenn ich etwas bei meinen – und den meisten anderen – Kindern beobachten konnte, dann den Wunsch über sich hinauszuwachsen. Mal ganz vereinfacht gesagt: Wenn sie an einem Tag noch nicht auf die Rutsche klettern konnten, hören sie nicht des Misserfolges wegen auf, es am nächsten nochmal zu versuchen. Sie üben weiter und irgendwann werden sie ihre Hürde überwinden und gestärkt durch diese Erfahrung weitermachen, um eine nach der anderen zu nehmen.

Ich lasse das jetzt mal so da stehen, dieser Beitrag erhebt allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn ihr noch weitere Fragen habt, würde ich mich gerne in den Kommentaren damit befassen.

alles Liebe

Ein Gedanke zu “ich setze zu viel voraus

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