Antheas Geburt

Nachdem ich beim Kontrolltermin – in der 42. Woche – immer noch keine Anzeichen hatte und wusste, dass es zu Hause nicht von alleine Losgehen wird, bat ich um eine Einleitung für den nächsten Morgen. Warum für den nächsten Morgen? Weil meine Tochter in Beckenendlage lag und es in dem Krankenhaus nur bestimmte Ärzte zulassen würden spontan zu entbinden. Und außerdem hatte am übernächsten Morgen die ältere Schwester ihren zweiten Geburtstag und ich wollte nicht, dass sie sich einen Geburtstag teilen.

Die junge Ärztin sagte „der bis 7 uhr früh Diensthabende Oberarzt würde keine Spontangeburt zulassen“. Auf meine Frage was passieren müsste, damit ich trotzdem spontan entbinden dürfe, meinte die junge Ärztin ziemlich salopp „Na wenn es raushängt, wird er sie nicht mehr aufschneiden.“

Ich bin also am Abend eingecheckt, hab ein paar Artikel zum Thema BEL gelesen und hab mich gegen 23 Uhr schlafen gelegt. Ich war davon überzeugt, gar keine Einleitung zu brauchen, ich wusste .. wenn ich erst mal im Krankenhaus bin, wird es von alleine los gehen. Ich wusste zu Hause, mit allen Kindern daneben wäre ich nicht Geburtsbereit und würde es bloß künstlich hinauszögern.

Um halb 5 Uhr haben die Wehen im Schlaf begonnen. Ich hab meinen Mann den ich für 6 Uhr wiederbestellt hatte angerufen und er war kurz nach 5 Uhr da. Die junge Ärztin, die ich vom vorigen Vormittag aus der Ambulanz kannte, hängte mich ans CTG ich bat sie dem OA noch nichts zu sagen. Nach etwas mehr als einer halben Stunde, in der das CTG keine Wehen aufzeichnete (wohlgemerkt hab ich da etwas nachgeholfen in dem ich absichtlich blöd drauf lag), hat mich die Hebamme untersucht. Sichtlich überrascht als sie den Muttermund ertastete der bereits 7 cm offen war.

Sie rief nun den Oberarzt an. Er sagte – ohne mich jemals gesehen zu haben – via Telefon „sofort für die Sectio vorbereiten“ – ich sagte so laut dass er es sicher auch hörte „Nein„. Er sagte er kommt rüber, kam kurz darauf rein und begann die Risiken aufzuzählen – ich sagte die nehm ich in Kauf und konterte mit den KS-Risken und dass er mir nicht erzählen könne dass eine BauchOP mit insgesamt 4 Kindern unter 5 Jahren in der Nachsorge nicht noch viel problematischer sein würde, als eine komplikationslose Beckenendlagen-Spontangeburt. Er sagte: „dass ich mich gegen ärztlichen Rat verweigere muss ich ihm unterschreiben“. Das machten wir. Sowohl mein Mann als auch ich unterzeichneten den – um alle laut einzeln erwähnten Risikofaktoren handschriftlich ergänzten – Revers. Daraufhin sagte der OA, er begleitet die Entbindung nicht. BEL muss von einem Arzt begleitet werden (ansonsten besteht – in Österreich – lediglich eine Hebammenhinzuziehungspflicht aber BEL hat aber wegen dem Risikostatus eine Arzthinzuziehungspflicht). Mein Mann erzählte mir beim Revue passieren lassen dass ich mich dafür beim Arzt bedankte.

Die Hebammen verständigten den Primar (denjenigen der in der früh um 7 begonnen hätte.. Auf den ich eigentlich wegen seiner BEL Erfahrung mit der Entbindung warten wollte) der sagte sie sollen mich ’stilllegen‘ er kommt früher rein. Daraufhin hab ich bei 8 cm offenem Muttermund um viertel 6 Wehenhemmer bekommen der bis 6 Uhr jegliche Wehentätigkeit blockierte. Dann begonnen sie wieder ganz leicht so wie am Anfang. Kurz nach 6 teilte man mir mit dass der Primar das Haus betreten hat, er wird gleich als erst zu uns kommen. Um 15 nach 6 war er da, bestätigte dass nicht mehr gehemmt werden soll. Der Muttermund wurde kontrolliert – dieser stand nach wie vor bei 8 cm. Der Arzt rief nachdem er mich eine Wehe lang beobachtete wieder die junge Ärztin – diejenige schon die ganze Nacht für mich da war – hinzu. Der Muttermund verstrich und die Fruchtblase platzte. Er zeigte ihr die Handgriffe an, mit denen man eine BEL entbindet, aber ließ Sie sie ausführen. Die Hüfte meiner Maus glitt leicht aus dem Geburtskanal und der Kopf kam gut hinterher. 14 Minuten nachdem der Primär erstmals den Raum betrat – war meine Kleine schon da. Keine Verletzungen, keine Komplikationen. Der Primar verabschiedete sich sinngemäß mit den Worten.. „nur ein Wahnsinniger würde eine Viertgebärende wegen einer BEL aufschneiden…“

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Der noch diensttuende Oberarzt kam direkt danach vorbei und rechtfertigte seine Entscheidung und dass ich ihm nicht bös sein soll – woraufhin ich ihm sagte, dass ich ihm eh nicht böse bin und es so sicher besser war, weil wenn er unsicher wär, tät mir das sicher auch nicht helfen. Vor allem wenn er dabei sein muss. Er sagte dann auch noch, ich hätte mich richtig entschieden. Aber er hat bei den 1000en Geburten die er entband keine guten Erfahrungen mit BEL gesammelt und wäre deshalb zu unsicher dafür.
Ich verstehe seine Entscheidung auch aus anderen Gründen, die ich allerdings erst nach der Geburt erfahren hab. So war er fast 36 Stunden im Dienst und 2 Stunden vor dem ersehnten Schluss komm ich plötzlich daher. Und zudem kamen zwischen Montag 19 Uhr und Dienstag 07 Uhr früh, 11 Kinder auf die Welt. Regulär entbindet dass Krankenhaus maximal 40 Frauen pro Woche! An diesem Morgen hörte man das Personal ständig ungläubig wiederholen, dass sie schon soundsoviele Jahre hier Dienst tun und das noch nie so erlebt haben. Aus allen 6 Bettzimmern wurden 8 Bettzimmer,.. Es war also sicher keine einfache Nacht.

Aber ganz ehrlich – ich habe mir vor dem Einschlafen einen Artikel durchgelesen, der darüber aufklärt dass eine erfolgreiche BEL Geburt in Industrienationen vor allem von einem abhängt, nämlich von der Erfahrung des Personals (und damit vor allem die Gelassenheit zu haben nicht zu intervenieren). Und, dass die Risken bei BEL vs. SL gleich hoch/niedrig sind WENN das Personal Erfahrung hat. Ich hatte das Glück, dass ich zur Nacht-Hebamme sofort vertrauen diesbezüglich gefasst hab – dass sie mich da durch leiten kann, falls ich doch zweifle. Wäre die Hebamme weniger kompetent gewesen, hätte ich vielleicht doch noch Panik bekommen.

Wir sind 13 Stunden nach der Geburt wieder zu Hause gewesen.

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