mit Benjamin im Wochenbett

Nach Benjamins Geburt wurde ich stationär aufgenommen – weil man das halt so macht. Und auch, weil man Erstgebärende nicht gern „unvorbereitet“ nach Hause gehen lässt, ohne ihnen das wichtigste mit auf den Weg zu geben.

Ich war also im Krankenhaus und mit jeder Stunde dort verschlechterte sich mein Gemütszustand. Zum einen, weil ich dort weder entspannen noch schlafen konnte, und zum anderen weil das Personal mir im 2 Stundentakt auf den Leib rückte.

Ich war in einem 2-Bettzimmer mit 24 Stunden Beleuchtung. Meine Bettnachbarin war eine Mittdreißigerin, freundlich und unsicher – ihre Tochter war unruhig und weinte viel.
Benjamin war davon wenig beeindruckt und verschlief die ersten Tage – ich hingegen kam ob des weinenden Kindes überhaupt nicht zur Ruhe und döste maximal vor mich hin.

Im 2 Stundentakt kamen die Hebammen – oder Schwestern – von der Station, um meinen Sohn zu wecken und anzulegen – wovon ich nicht sonderlich erbaut war. Die Milch schoss bald ein, denn keine 24 Stunden nach der Geburt, wunderten sich die Krankenschwestern bei einem Besuch im „Kinderzimmer“ darüber, dass mein Sohn nach dem 10ten mal anlegen – unter Beobachtung – begann Milch zu erbrechen.

Ich fühlte mich nicht wohl. Ich wollte Stillen, aber ich wollte definitiv nicht gedrängt, bevormundet und ständig kontrolliert werden.
Am 2. Tag nach der Geburt – nachdem man mir zum 2. Mal zeigen wollte wie man ein Kind badet (weil die erste Kollegin nicht vermerkt hat dass sie das bereits vorführte) – telefonierte ich die Hebammen durch, die in meinem Wohnbezirk die Wochenbettbetreuung zu Hause übernehmen. Ich fand eine die mich unbekannterweise und kurzfristig übernahm, schilderte ihr meine Situation und offenbarte meinen Wunsch möglichst rasch aus dieser Umgebung zu entfliehen.

Mit ihren Ratschlägen und Argumenten in der Hinterhand, trat ich mit meinem Wunsch bei der nächsten Visite an den Arzt heran. Ich wollte gleich gehen, dem wollte der jedoch nicht zustimmen, aber wenn alles gut bleibt, könne er sich mit mir auf den nächsten Tag (statt dem übernächsten) einigen. Überrumpelt aber wenigstens mit einem Ziel vor Augen stimmte ich zu. Eine Nacht, das würde ich schon noch schaffen.

Am nächsten Morgen – bei der Visite – erlaubte man mir schließlich zu gehen. Ich solle bis 11 Uhr das Zimmer räumen und bekäme dann meine Entlassungspapiere.

Tja, das Zimmer habe ich geräumt – die Entlassungspapiere kamen, trotz stündlichem nochmaligem Bitten, erst um 16 Uhr. Die Zeit dazwischen verbrachte ich – gezwungener Maßen – mit meinem Säugling am Gang.

Zu Hause angekommen wollte ich nichts als schlafen. Ich war völlig übermüdet. Stillte meinen Sohn und hab mich niedergelegt.
Ich selbst bin erst aufgewacht, als mein Busen explodierte – 8 Stunden hat man mich schlafen lassen und ich wachte wegen meiner heißen, schweren, prallen, schmerzhaften Brust auf.. ich bekam Fieber. Meine Mutter war zu Besuch und verständigte die Hebamme.

An die nächsten beiden Tage kann ich mich beim besten Willen nicht vollständig erinnern. Ich erinnere mich schemenhaft, dass meine Mutter da war, das die Hebamme da war, an Topfen- und andere Umschläge und ich weiß dass ich mich weigerte nochmal zurück ins Krankenhaus zu fahren. Unter keinen Umständen wollte ich da wieder hin. Unter keinen Umständen Gefahr laufen, dort bleiben zu müssen!

Dann ging es wieder bergauf – mir ging es besser und ich brachte mich wieder in den Alltag – also vor allem dem Haushalt – ein. Anfangs unter Schmerzen, aber die Situation machte es erforderlich.
Ich hatte 3 Wochen lang den Wochenfluss, aber noch einige Zeit länger Schmerzen. Ich fühlte mich die ersten Wochen sehr ausgelaugt und müde… wie ein Schatten meiner selbst. Mein Sohn schrie oft, ließ sich manchmal kaum beruhigen, auch im Tragetuch. Es wurde jeden Tag mehr. Mit etwa 7 Wochen erreichte es seinen Höhepunkt. Drei Tage lang trug ich ihn jeweils 16 Stunden am Stück und die ganze Zeit meckerte oder weinte er – gelgentlich unterbrochen von einschlafen aus purer Erschöpfung, bevor er eine viertel Stunde später wieder meckerte und weinte – bis er irgendwann erneut vor Erschöpfung einschlief. Mein Nervenkostüm war inzwischen dünner als Seide! Das Bonding hatte nach wie vor noch nicht funktioniert, es hat – zwecks Muttergefühle – nie „klick“ gemacht und ich machte mir auch deshalb selbst Vorwürfe.
Meine Mutter kam zu Besuch und sagte im Gespräch beiläufig sowas wie „Viele Eltern wollen in der Situation das Kind am liebsten gegen die Wand werfen – Wichtig ist dass man es nicht tut!“
So absurd das auch kling, irgendwie hat mir dieser Gedanke geholfen. Denn er eröffnete mir den Zugang zu weiteren Gedanken wie: Ich bin nicht allein. Es geht nicht nur mir so. Ich darf es nicht persönlich nehmen, wenn mich mein Kind anschreit. Die Brust anschreit. Im Tragetuch schreit. Einfach schreit! Und obwohl Leute da waren fühlte ich mich vorher trotzdem alleine.

Nach diesem Höhepunkt mit 7 Wochen, reduzierte sich das Weinen von Tag zu Tag und pendelte sich bis zur 12 Woche bei etwa 2-3 Stunden pro Tag ein – wo es auch noch einige Zeit verblieb.

Soviel zur Wochenbettzeit.

Inzwischen weiß ich, dass er damals einen Wachstumsschub hatte. Und bei jedem weiteren, kam das Weinen später wieder, dann allerdings nur mehr 5-6 Stunden an schlimmen Tagen – vorwiegend Abends. Den Schlimmsten Wachstumsschub hatte er kurz vor seinem 3. Geburtstag. Da wuchs er 6 Zentimeter in 10 Tagen. Er musste sich fühlen wie auf der Streckbank – so zumindest hat es sich auch angehört, als er einige Nächte hintereinander (vor Schmerzen schreiend und hysterisch weinend) im Viertelstundentakt aus dem Schlaf hoch fuhr.

Bei den Kindern danach hatte ich dann schon Thomas Harms „Emotionelle Erste Hilfe“ (http://emotionelle-erste-hilfe.org/content/emotionelle-erste-hilfe) gelesen gehabt und die Bauchatmung als Möglichkeit für mich gefunden selbst entspannt zu bleiben, selbst wenn meine Kinder es nicht waren. Ich weiß nicht, ob es nur daran lag, oder am Charakter der Kinder, oder ob Benjamin wirklich schmerzen oder eine innere unruhe – bedingt durch die Wachstumsschübe – hatte, oder ob ich aus den Erfahrungen und Erkenntnissen im Umgang mit Benjamin profitieren konnte, aber die Nachfolgenden Kinder waren allesamt wesentlich entspannter.

Und nur weil ich es oben erwähnt habe: Für den Aufbau einer soliden Mutter-Kind-Bindung (von mir zu ihm – also Muttergefühle) brauchte ich im übrigen in etwa 7 Monate.

es war eine aufwühlende Zeit mit meinem ersten Kind
euch alles Liebe

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s